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Spenderberatung

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen/DZI
Bernadottestraße 94, 14195 Berlin
Tel: 030/839 001-11, Fax: 030/831 47 50, http://www.dzi.de

Pressemitteilung Berlin, 22. Dezember 2005

Rekordjahr 2005: 3 Milliarden Euro Spenden für soziale Zwecke

•  Verwendung der Tsunami-Spenden macht gute Fortschritte

•  NEU: Spenden-Almanach 2005/6 mit Tsunami-Studie, Einzelportraits und Spenden-Tipps

•  NEU: Spenden-Siegel-Bulletin mit 200 besonders förderungswürdigen Organisationen

•  Vorsicht bei Straßenwerbung und Schein-Gemeinnützigen

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) erwartet, dass die Spenden für soziale Zwecke in Deutschland im Jahr 2005 die Rekordsumme von 3 Milliarden Euro erreichen werden (2004: 2,35 Mrd. Euro). Ausschlaggebend dafür sind vor allem die 670 Millionen Euro , die die Deutschen (überwiegend in 2005) für die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südostasien gespendet haben. Nach Erkenntnissen des DZI wurde der Großteil dieses Geldes zusätzlich gegeben, hat also nur in geringem Maße die Spenden für andere Zwecke und Regionen beeinträchtigt.

Das DZI veröffentlicht am heutigen Donnerstag seinen DZI Spenden-Almanach 2005/6 . Der 300-seitige Spendenratgeber enthält eine ausführliche, vom Bundesentwicklungshilfeministerium finanzierte Studie zur Tsunami-Kampagne, viele Spender-Tipps und Einzelportraits aller 200 Organisationen, die das DZI Spenden-Siegel tragen (Preis 12,80 Euro, Bestellung schriftlich über das DZI oder www.dzi.de). Zeitgleich ist das neue Spenden-Siegel-Bulletin 2/05 erschienen, das Faltblatt mit Namen, Adressen und Kontonummern aller 200 Organisationen, denen auf freiwilligen Antrag und nach erfolgreicher Prüfung das DZI Spenden-Siegel zuerkannt wurde. Die Positivliste kann gegen Zusendung von drei Briefmarken zu 55 Cent bestellt werden beim DZI, Bernadottestr. 94, 14195 Berlin.

Die Tsunami-Spenden sind nach den Erkenntnissen des DZI bereits zum Großteil in sinnvolle Nothilfe- und Wiederaufbauprojekte geflossen. Etwa 50% wurden inzwischen verausgabt, weitere 30% sind mit Bezug auf konkrete Projekte fest disponiert und etwa 20% stehen für zukünftige Planungen noch zur Verfügung. „Wir halten das für einen sehr angemessenen, erfreulichen Zwischenstand . Überzogener Zeitdruck, die restlichen Gelder nun auf die Schnelle ebenfalls auszugeben, wäre nur schädlich für eine sachgerechte Planung und die notwendige Koordination mit anderen Hilfsorganisationen und Behörden vor Ort“, sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke in Berlin. Der im DZI Spenden-Almanach veröffentlichten Studie ist unter anderem zu entnehmen, dass allein die zwölf größten Empfängerorganisationen 600 Millionen Euro Tsunami-Spenden eingenommen haben. Auf 62 weitere Hilfswerke entfielen die übrigen 70 Millionen Euro. „Die deutschen Tsunami-Spenden sind nahezu vollständig an kompetente und seriöse Organisationen gegangen. Wir beobachten bisher keine wesentlichen Probleme bei der Verwendung der Gelder“, so DZI-Geschäftsführer Wilke.

Etwas kritischer sieht das DZI die Situation im deutschen Spendenwesen als Ganzes . Zwar verdient auch hier der weitaus größte Teil der Organisationen das Vertrauen der Bevölkerung, jedoch verbreiten wenige unseriöse Sammler überproportional viel Verunsicherung und Verärgerung und beschädigen so auch die Reputation der Mehrheit seriöser Hilfswerke. Das DZI bietet neben dem Spenden-Siegel Entscheidungshilfe durch rund 600 Einzelauskünfte zu Hilfswerken ohne Gütezeichen. Diese können schriftlich (bitte 3 Briefmarken zu 55 Cent beifügen) beim DZI abgefragt werden.

Von der Förderung folgender Organisationen rät das DZI aus konkretem Anlass ausdrücklich ab:

Kinder in Not e.V., Lochhausener Straße 234, 81249 München

Der 1985 gegründete Verein ist nicht als gemeinnützig anerkannt. Er unterliegt damit nicht der regelmäßigen Gemeinnützigkeitsprüfung des Finanzamts; Spenden und Mitgliedschaftsbeiträge sind nicht steuerlich abzugsfähig. Kinder in Not e.V. wirbt seit Jahren öffentlich um Fördermitgliedschaften und tritt dabei als karitative Organisation in Erscheinung, die sich um Not leidende Kinder kümmert. Die Staatsanwaltschaft München I führt derzeit Ermittlungen gegen Verantwortliche im Umfeld des Vereins und hat Anfang Dezember 2005 mitgeteilt, dass nach ihren bisherigen Erkenntnissen nur etwa 10, maximal 15 Prozent der gesamten Vereinseinnahmen für den Vereinszweck zur Verfügung stehen, während der überwiegende Teil der Einnahmen an Werbegesellschaften gehe, hinter denen wiederum die betroffenen Personen stehen.

International Children's Fund e.V., Mainzer Landstraße 27-31, 60329 Frankfurt/Main

Der Verein wurde 2003 gegründet und verschickt in hoher Auflage standardisierte Werbebriefe, die nach Einschätzung des DZI in ihrer Wort- und Bildwahl überwiegend gefühlsbetont und auf den Empfänger in hohem Maße bedrängend wirken. Damit werden die Spender in ihrer unabhängigen, sachbezogenen Entscheidung behindert. Der Verein ist nach Kenntnisstand des DZI nicht als gemeinnützig anerkannt und unterliegt damit nicht der regelmäßigen Gemeinnützigkeitsprüfung des Finanzamts; Spenden und Mitgliedschaftsbeiträge sind nicht steuerlich abzugsfähig.

Children's Help / SOS InterNet AG, Binningen, Schweiz

Bei Children's Help handelt es sich nach Kenntnisstand des DZI um den Zweig eines gewerblichen Unternehmens (SOS InterNet AG) mit Sitz in der Schweiz. Children's Help betreibt in Deutschland Telefonwerbung, wobei die Angerufenen darüber informiert werden, das Children's Help Kindern in Not helfe und dafür um Unterstützung bitte. Dem DZI liegen Beschwerden vor, in denen die Werbung als bedrängend beschrieben wird. Darüber hinaus entsteht in den Werbegesprächen offenbar häufig der falsche Eindruck, als handle es sich um eine als gemeinnützig anerkannte Initiative. Der Umworbene leistet jedoch keine Spende, sondern geht eine Clubmitgliedschaft für mindestens zwei Jahre ein. Während dieser Zeit werden dem Mitglied gewerbliche Produkte wie zum Beispiel Reisen angeboten. Im Sinne einer transparenten Entscheidungssituation empfiehlt das DZI, den Kauf gewerblicher Produkte und die Spende zu Gunsten eines guten Zwecks klar voneinander zu trennen. Insbesondere sollten Spender sich ausdrücklich vergewissern, dass eine scheinbare Gemeinnützigkeit der betreffenden Organisation auch tatsächlich von der zuständigen Finanzbehörde bestätigt wurde.

Menschenrechtsverein für ExiliranerInnen e.V. (früherer Name: Menschenrechtsverein für iranische Migranten (MiM) e.V. , c/o PHOTON, Ackerstraße 65, 40233 Düsseldorf

Der Verein wurde 2004 gegründet und wirbt auf öffentlichen Straßen um Spenden und Fördermitgliedschaften. Dabei verwendet er schockierende, stark Mitleid erregende Fotos. Dem DZI liegen mehrere Beschwerden vor, die die Werbeansprache als aufdringlich und nötigend empfanden. Auf wiederholte Bitte des DZI um Zusendung von Informationsunterlagen hat der Verein nicht reagiert. Dem DZI ist nicht bekannt, ob der Verein als gemeinnützig anerkannt ist.

Pressekontakt DZI: Burkhard Wilke (Geschäftsführer) 030 839001-11

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