spendenmagazin 2013 - page 10

Gründe, warum Menschen in Deutsch-
land arm werden, gibt es viele.
Und
besonders Kinder sind die Leidtragen-
den.
Was Hilfsorganisationen leisten
rm zu sein, ist nirgendwo leicht. Und in München ist es
besonders schwer. Hier zahlt man so viel Miete wie nir-
gendwo sonst in Deutschland – selbst in einfachen Wohn-
lagen liegt der Quadratmeterpreis bei rund zehn Euro. Wer
einen guten Job hat, kann sich das leisten – doch was ist mit denen, die
arbeitslos sind oder ihr Geld im Niedriglohnsektor verdienen? Leid-
tragende in solchen Familien sind meistens die Kinder, weiß Adelheid
Utters-Adam vom Caritasverband der Erzdiözese München und Frei-
sing. „Das Thema Armut ist oft mit Scham besetzt, weil einfach kein
normales Leben möglich ist. Das ist der Punkt, wo viele unserer Pro-
jekte und Hilfen ansetzen: Wir wollen von Armut betroffenen Kindern
ein so normales Leben wie möglich bieten.“
Zu den spendenfinanzierten Projekten des Verbandes, die aus dem
Kinder- und Jugendfonds des Diözesan-Caritasverbands gefördert wer-
den, gehört die Schulsozialarbeit der Caritas, die zum Beispiel an einer
Schule in München-Sendling stattfindet, berichtet Utters-Adam. „Ein
Großteil der Kinder stammt aus Gemeinschaftsunterkünften, es gibt
dort auch eigene Klassen für Flüchtlingskinder, die noch nicht lange
in Deutschland sind.“ Sie erhalten intensive Sprachförderung, Haus-
aufgabenbetreuung, auch Elternarbeit gehört dazu. Ein weiteres aus
Spendenmitteln gefördertes Projekt ist „Kinderleicht“, das Kinder und
Jugendliche suchtkranker Eltern unterstützt. In Gesprächen und spiel-
therapeutischen Einheiten entdecken die Kinder dabei ihre eigenen
Bedürfnisse und lernen, ihre Interessen und Ansprüche auszudrücken.
Diese Projektbeispiele zeigen: Es gibt verschiedene Gründe, warum
Familien in die Armut abrutschen. Natürlich trifft es oft bildungsferne
Familien, aber manchmal ist es auch die schwere Erkrankung eines El-
ternteils, die dazu führen kann. Und auch die Armut selbst kann krank
machen – unter diesemMotto stand daher die Caritas-Jahreskampagne
2012. „Besonders beklemmend ist, dass Kinder und Jugendliche, die
unter sozial schwierigen Lebensumständen aufwachsen, schlechtere
Gesundheitschancen haben“, erklärt der Direktor des Caritasverbands
der Erzdiözese München und Freising, Prälat Hans Lindenberger. Nor-
Der
Wunsch
nach
Normalität
Kinderarmut in Deutschland:
Wenn Familien in die Armut abrutschen, trifft es die
Kinder besonders schwer. Hilfsorganisationen wie die
Arche (oben) oder KiNiKi (unten) versuchen, ihnen ein
Stück Normalität zu geben
A
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