spendenmagazin 2013 - page 11

Berlin ist, wenn einer Stadt
ihre Zukunft am Herzen liegt.
Eine Initiative der
Bankverbindung:
Bank für Sozialwirtschaft
Konto 3307100 | BLZ 100 205 00
(Spendenkonto 55)
Internet:
„Es gibt Wohnungen, in denen
nicht mal mehr ein Tisch und
Stühle vorhanden sind“
Fotos: Arche, Kiniki
Hilfsorganisationen, die Kinder aus armen Familien unterstüt-
zen oder Einzelfallhilfe leisten, finden Sie unter
malität bedeutet zum Beispiel, dass regelmäßige Mahlzeiten auf dem
Tisch stehen, dass die Wohnung aufgeräumt ist, dass Kinder in der
Schule gewaschene Kleidung tragen. Für Familien, bei denen diese
Dinge nicht funktionieren, hat die Caritas das Haushaltsorganisati-
onstraining HOT entwickelt. Familienpflegerinnen begleiten Eltern
und ihre Kinder und versuchen, derartige Grundstrukturen in die
oft sozial benachteiligten Familien zu bringen. Und weil Geld häufig
ein leidiges Thema ist, lernen die Familien auch, wie sie mit einem
kleinen Einkommen gesunde Lebensmittel einkaufen und kochen
können. Durch HOT sollen schwierige Situationen aufgefangen wer-
den, bevor sie eskalieren – und damit der Armut vorgebeugt werden.
Kreative Projekte fördern
Um Armutsprävention geht es auch der Organisation KiNiKi – Hil-
fe für Kinder. „Die ursprüngliche Intention war es, Straßenkindern
zu helfen, das hat sich mittlerweile etwas verlagert“, sagt Elke Rau-
tenberg, Vorstandsassistentin und
Projektbetreuerin bei KiNiKi. „Wir
arbeiten vor allem mit Organisationen
zusammen, die dafür sorgen, dass die
Kinder gar nicht erst auf der Straße lan-
den, zum Beispiel Kinder- und Jugend-
zentren, und fördern kreative Projekte wie Theaterfreizeiten oder
Sportfreizeiten.“ Die Organisation KiNiKi steht für Kinder, Niños,
Kids und wurde 2003 vom heutigen Vorstand Jörg W. Hofmann in
Stuttgart gegründet. KiNiKi ist mittlerweile deutschlandweit tätig,
„80 Prozent unserer Projekte sind jedoch immer noch im Stuttgarter
Raum angesiedelt“, sagt Rautenberg. Finanziell unterstützt werden
vor allem Projekte, zu denen persönliche Kontakte bestehen. Zum
Beispiel die Stiftung Jugendhilfe aktiv, die in verschiedenen Berei-
chen der Kinder- und Jugendhilfe tätig ist, vom betreuten Wohnen
über spezielle Angebote für autistische Kinder bis hin zu eigenen
Förderschulen. KiNiKi ermöglichte hier Angebote wie heilpädagogi-
sches Reiten oder eine Segelfreizeit.
Oft geht es jedoch um ganz praktische Dinge, die dringend gebraucht
werden, sagt Rautenberg: „Die Jugendorganisationen haben sich
beispielsweise einen Sprinter gewünscht, damit sie mobiler sind“,
erzählt sie. Der konnte über Spenden angeschafft werden. Stolz ist
man bei KiNiKi über die schlanke Struktur der Organisation: Alle
Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich, das Geld kann zu 100 Prozent in
die Projekte fließen.
Die normalen Dinge des Lebens zeigen
Zu den Bundesländern mit der höchsten Kinderarmut zählt Berlin
– laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem vergangenen
Jahr lebt dort jedes dritte Kleinkind in Armut. Hier nahm auch
eine Organisation ihren Anfang, die mittlerweile in zehn Städten
deutschlandweit vertreten ist und bald ihren 18. Standort in War-
schau eröffnet: die Arche. „Wir versuchen das zu geben, was die
Eltern nicht können“, sagt Wolfgang Büscher, Pressesprecher des
christlichen Kinder- und Jugendhilfswerkes. „Wenn es möglich ist,
gehen wir in die Familien rein, versuchen sie zu stärken und ihnen
die normalen Dinge des Lebens zu zeigen. Es gibt Wohnungen, in
denen nicht mal mehr ein Tisch und Stühle vorhanden sind – ge-
gessen wird nur vor dem Fernseher“, sagt er.
Doch nicht immer ist diese Begleitung von außen erwünscht. „Wir
erreichen ungefähr 30 Prozent der Eltern. Wir fangen die Kinder
daher auch in unseren Einrichtungen auf.“ Dort erhalten sie eine
warme Mahlzeit, Hausaufgabenhilfe
und Freizeitbeschäftigungen, auch
gemeinsame Ausflüge und Freizeiten
werden gemacht – alles zu 100 Prozent
spendenfinanziert, ebenso wie die
Familienberatung und Elterntreffen.
Viele Kinder kommen jahrelang, werden in und mit der Arche er-
wachsen – und einige bleiben dann als Arche-Mitarbeiter. Dass die
Kinder so eine andere Welt kennenlernen, zeigt eine Umfrage, die
die Arche regelmäßig durchführt. „Wir fragen die Kinder zweimal
im Jahr, was sie werden wollen. Auf dem ersten Platz steht Popstar,
auf dem zweiten Platz Arche-Mitarbeiter und auf dem dritten Platz
Hartz IV“, sagt Büscher. Gerade Letzteres zeige deutlich, wie weit
weg von der „eigentlichen“ Gesellschaft solche Familien sind, in
denen die Eltern seit vielen Jahren arbeitslos sind und auch schon
lange keinen Ausweg daraus sehen. „Hartz IV ist ein Stigma, dem
man nur schwer entkommen kann. Daher engagieren wir uns auch
politisch gegen Kinderarmut.“ Gerade die Bildungsferne sei dabei
ein Riesenproblem, das bekämpft werden müsse. „Ich habe mal eine
Mutter erlebt, die Klaus Wowereit ernsthaft gefragt hat, ob er der
König von Berlin sei.“ Lustig ist das tatsächlich nicht.
Patricia Thivissen
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