spendenmagazin 2013 - page 20

ine Nothilfeorganisation bittet per
Post umUnterstützung nach einer
Katastrophe. Auf der Straße wer-
ben junge Leute Spender für einen
Menschenrechtsverein an. Derweil baut der
Nachbar ein tolles Projekt in der Gemeinde
auf. Und dann war da doch noch diese span-
nende Initiative, über die neulich ein Bericht
im Fernsehen lief …
Unzählige große, kleine und Kleinstorgani-
sationen, Verbände und andere Initiativen
bitten um Ihre Spende. Viele haben sie ver-
dient. Bei manchen lohnt es sich, genauer
hinzuschauen. Aber wie entscheiden, wer Ihr
Geld tatsächlich bekommen soll? Grundsätz-
lich gilt: Es ist besser, sich mit dem Thema
zu befassen, statt aus emotionalem Reflex
mal hier, mal da zu spenden, etwa weil eine
Naturkatastrophe gerade Schlagzeilenmacht
oder der Spendenwerber auf der Straße einen
so netten Eindruck. Sehen Sie Ihre Spende als
eine Investition in die Gemeinschaft – oder
gar die Weltgemeinschaft. Nehmen Sie diese
Investition genau so ernst wie Ihre anderen
Geldanlagen! Sich dafür Zeit zu nehmen,
zahlt sich aus.
Um im Dschungel der Angebote Ihre Organi-
sation oder Ihr Projekt zu finden, das Sie am
liebsten unterstützen wollen, können Sie sich
an klaren Maßstäben orientieren:
Nutzen Sie die Webseite
des DZI:
Rund 250 Organisationen tragen das Spen-
den-Siegel des DZI für besondere Transpa-
renz, Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz.
Gemeinsam setzen sie jährlich rund 1,2 Mil-
liarden Euro an Geldspenden ein, rund ein
Fünftel aller Spenden in Deutschland. Das
Spenden-Siegel kann ein wichtiges Entschei-
E
Spenden
mit Köpfchen
Um Geld
sicher und effizient
einzusetzen, gilt es
einiges zu beachten – eine Orientierungshilfe
dungskriterium sein: Es überprüft in ihrer
Zielsetzung, Ausrichtung und Größe höchst
unterschiedliche Organisationen und macht
sie damit vergleichbar.
Dass eine Organisation kein Spenden-Siegel
hat, bedeutet allerdings noch nicht, dass sie
nicht vertrauenswürdig ist. Das DZI äußert
sich auf seiner Internetseite auch über vie-
le Organisationen, die das Siegel nicht be-
antragt oder bekommen haben. Sie können
sich hier einen ersten Überblick verschaffen,
wie transparent und offen diese arbeiten und
welche Schwerpunkte sie setzen. In der Ru-
brik „Das DZI rät ab“ finden Sie außerdem
zahlreiche Namen von Organisationen, die
das DZI für nicht förderungswürdig hält,
einschließlich der jeweiligen Gründe. Weitere
hilfreiche Informationen zu verschiedensten
Themen bietet die DZI-Website auch mit den
„Spenden-Tipps“.
Prüfen Sie, zu welchen Selbst-
verpflichtungen und Standards
sich eine Organisation bekennt
In Deutschland gibt es keine einheitlichen
Veröffentlichungspflichten für gemeinnüt-
zige Organisationen. Für Ihre Entscheidung
sollte es jedoch maßgeblich sein zu wissen,
was mit dem Spendengeld geschieht. Die In-
itiative Transparente Zivilgesellschaft, die
unter anderem von Transparency Internatio-
nal Deutschland und demDZI getragen wird,
hat zehn einfache Punkte festgelegt, an die
sich jede zivilgesellschaftliche Organisation
halten sollte. Dazu zählt die Offenlegung der
Satzung, der Entscheidungsträger sowie die
Verwendung der Mittel. Hat Ihre Organisa-
tion die Selbstverpflichtung der Initiative
unterzeichnet? Wenn nicht, können Sie die
Punkte auch abfragen oder auf der Webseite
nachprüfen. Ein hilfreiches Indiz ist außer-
dem, ob eine Organisation sich durch unab-
hängige Dritte überprüfen lässt, etwa durch
Wirtschaftsprüfer.
Gehört die Organisation einem re-
nommierten Dachverband an?
Wer Mitglied eines bekannten Dachverban-
des ist, zeigt damit, dass er sich fachlich
vernetzen will und an seiner Professionali-
sierung arbeitet. Die Mitgliedschaft sichert
eine Weiterentwicklung sowie ein gewisses
Maß an Kontrolle durch die anderen Mitglie-
der. Wichtige Dachorganisationen im Spen-
densektor sind unter anderem der Verband
Entwicklungspolitik deutscher Nichtregie-
rungsorganisationen (Venro), der Bundesver-
band Deutscher Stiftungen oder der Deutsche
Spendenrat.
Was sagt der Jahresbericht?
Ein aussagekräftiger Jahres-, Finanz-
oder Tätigkeitsbericht, der nach Möglichkeit
leicht auffindbar auf der Webseite einer Or-
ganisation veröffentlicht werden sollte, liefert
wichtige Hinweise auf die Höhe der Ausga-
ben, die Zusammensetzung des Vorstands
sowie sachliche und aktuelle Informationen
zu den Projekten. Hier müssen konkrete Fak-
ten und Ergebnisse dargestellt werden, die
Bekundung des guten Willens allein sollte
nicht ausreichen. Achten Sie nach Möglich-
keit auf die Informationen zur Wirkung der
Projekte – Fortschritte und Erfolge, Erfolgs-
kriterien oder gesetzte Ziele, aber auch ehr-
liche Angaben zu Fehlschlägen. Die Höhe
des Verwaltungsaufwands hingegen ist
nicht zwingend ein Hinweis auf Qualität: Er
hängt von der Art der Projekte und Tätigkeit
ab. Verwaltungsaufwand in angemessenem
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