spendenmagazin 2013 - page 24

as Programm der Woche, die elf
Tage umfasst, spiegelt die ganze
Vielfalt der Berliner Stiftungen
wider. Mehr als 100 Stiftungen
laden zu Diskussionen über Demokratie,
Europa und gesellschaftliche Teilhabe so-
wie zu rund 20 Ausstellungen ein. Zudem
stellen sie ihr Engagement in Tagen der of-
fenen Tür und Workshops vor. „Die Berliner
Stiftungswoche ist eine Bühne, um Projek-
te zu präsentieren und zum Mitmachen,
Nachahmen oder Kooperieren einzuladen“,
beschreibt Regine Lorenz, Sprecherin des
Lenkungskreises der Berliner Stiftungs-
woche, das Anliegen. „Zugleich machen die
Veranstaltungen erlebbar, wie lebendig eine
pluralistische Gesellschaft sein kann.“
Offen für alle: Bürgerstiftungen
Diese Lebendigkeit erfahren und fördern
Berliner Stiftungen täglich, zum Beispiel
die Bürgerstiftung Lichtenberg. In dem
Ostberliner Stadtviertel leben 18.000
Bürger unterschiedlicher Nationalitäten,
darunter ein Drittel aller in Berlin leben-
den Vietnamesen, viele Polen, Russen und
Serben. Lichtenberger Bürger gründeten
gemeinsam mit prominenten Einwohnern
wie der Eisschnelllauf-Weltmeisterin Jen-
ny Wolf und der Paralympic-Siegerin Ma-
rianne Buggenhagen sowie Lichtenberger
Unternehmen 2008 die Bürgerstiftung
Lichtenberg. Seither engagieren sie sich
für das gesellschaftliche Miteinander in
D
Miteinander
mehr erreichen
Zum vierten Mal laden Stiftungen Bürger und Bürgerinnen zum Mit-
machen, Mitreden, Zuhören und Austauschen ein:
in über 100 Veran-
staltungen zur „Berliner Stiftungswoche“
vom 4. bis 14. Juni
In Bürgerstiftungen können sich
Interessierte mit Zeit, Ideen oder
Geld an den Projekten beteiligen
»
ihrem Stadtteil zum Beispiel in Projekten
wie „100 x 100“: 100 Kinder einkommens-
schwacher Familien bekamen je 100 Euro,
um Mitglied eines Vereins werden zu kön-
nen. Dieses Jahr werden unter dem Motto
„Buntes Lichtenberg“ vor allem Projekte
anderer Vereine unterstützt, die sich etwa
durch Familienpaten oder Nachhilfeunter-
richt für die Integration sozial benachteilig-
ter Kinder einsetzen.
Bürgerstiftungen wie die in Berlin-Lichten-
berg, die Bürger gründen, um das Gemein-
wesen in ihrer Stadt oder Region zu stärken,
sind eine ideale Form, Stiftungsarbeit für
alle zugänglich zu machen. An den gemein-
samen Projekten können sich Bürger durch
Zeit, Ideen oder Geldspenden beteiligen.
Das Modell Spendenparlament
Genauso offen für Zeit-, Sach-, Geldspenden
oder Zustiftungen ist die Berliner Stiftung
„dragondreams“. Die „Drachenträume“ hat
der Berliner Lehrer Thorsten Falkenberg
gegründet. Er verkörpert den „neuen Typ
Stifter“, der nicht unbedingt vermögend
sein muss, dafür umso reicher ist an Er-
fahrung, Ideen und Visionen. Mit der Ver-
waltung seiner Stiftung hat Thorsten Fal-
kenberg treuhänderisch den Verein OASE
Berlin beauftragt, dessen Bildungs- und
Integrationsprojekt er jahrelang geleitet
hat. So bleibt ihm selbst mehr Zeit und
Energie, den eigentlichen Stiftungszweck
zu verfolgen, sozial benachteiligte Kinder
und Jugendliche beziehungsweise Einrich-
tungen zu unterstüt-
zen. Aus seiner Be-
rufstätigkeit kannte
Stif tungsgr ünder
Falkenberg das Pro-
blem, Attraktionen
für Feste und Veranstaltungen zu organi-
sieren. Gerade für kleinere Einrichtungen
ist etwa eine Hüpfburg unerschwinglich.
Um dem abzuhelfen, rief er den „Berliner
Ausleihpool“ ins Leben. Aus eigenen Mit-
teln und Spenden wurden große Anschaf-
fungen wie eine mobile Bühne, aber auch
viele kleinere wie Fahrräder, Kickboards,
Hula-Reifen und Bälle finanziert, die nun
ausgeliehen werden können.
Doch Stifter Falkenberg wollte noch mehr,
nämlich eine Stiftung auf viele Beine stel-
len und dafür soziales Engagement mit
demokratischer Mitbestimmung verbin-
den. Er „importierte“ das Modell des Ham-
burger Spendenparlamentes nach Berlin.
Privatpersonen können für eine jährliche
Mindestspende von 60 Euro, Firmen und
Institutionen für 120 Euro Mitglied im
Spendenparlament werden. Dieses stimmt
über die Verwendung seiner angesam-
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