spendenmagazin 2013 - page 26

melten Spendenmittel in gemeinsamen
„Parlamentssitzungen“ ab.
Zusammenarbeit untereinander
Sowohl die „dragondreams“ als auch die
Lichtenberger Bürgerstiftung verfolgen
nicht nur eigene Projekte, sondern unter-
stützen auch die anderer oder kooperieren
für einzelne Aktionen mit anderen Organi-
sationen, Vereinen oder Stiftungen. Das ist
nicht selbstverständlich. Denn Zweck und
Aufgabe einer Stiftung werden bei Grün-
dung in der Satzung festgelegt und müssen
fortan verfolgt werden. Je spezifischer sie
formuliert sind, desto schwieriger können
Kooperationen sein. Trotzdem ist Regine
Lorenz von der Berliner Stiftungsrunde
überzeugt: „Die Zeit, den Stiftungszweck
nur im Alleingang zu verfolgen, ist vorbei.“
Zu umfassend und übergreifend seien heu-
te die Herausforderungen, vor denen die
Gesellschaft, aber auch die Stiftungen ste-
hen. So können zum Beispiel Anliegen im
Bereich des Umweltschutzes häufig besser
im Austausch mit anderen Stiftungen ver-
folgt werden, wenn Fachwissen etwa über
die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft
mit der Erfahrung bei Bildungsprojekten
und in der Öffentlichkeitsarbeit zusammen-
kommt. „Ein Projekt kann dann vom Know-
how anderer Partner profitieren, sodass
jede Stiftung ihre Ziele optimal verfolgen
kann“, erklärt Regine Lorenz die Vorteile
der Vernetzung. Sie weiß, wovon sie spricht.
Denn um die Möglichkeiten der Koope-
ration auszuloten,
gründeten vor sechs
Jahren verschie-
dene Stiftungen,
die ihren Sitz oder
eine Repräsentanz
in Berlin haben, und stiftungsnahe Orga-
nisationen die Berliner Stiftungsrunde,
der mittlerweile 26 Mitglieder angehören,
unter ihnen auch der Bundesverband Deut-
scher Stiftungen. Ihr erstes gemeinsames
Projekt ist die Berliner Stiftungswoche,
die seit 2010 erfolgreich läuft. In diesem
Jahr lautet das Schwerpunktthema „Euro-
pa sind WIR – und nun?“. Aus der großen
Stiftungsrunde fand sich eine siebenköpfi-
ge „Arbeitsgruppe Europa“ zusammen, um
zu diesem Schwerpunkt gemeinsame Ver-
anstaltungen zu organisieren. Ein Ergebnis
ist die Dialogveranstaltung am 5. Juni im
Haus der Kulturen der Welt, bei der Bundes-
finanzminister Wolfgang Schäuble mit jun-
gen Europäern über die Zukunft Europas dis-
kutieren wird. „Diese Begegnung zwischen
Stipendiaten verschiedener Stiftungen aus
ganz Europa und einem Regierungsmitglied
wurde nur durch die Kooperation Europa-
erfahrener Stiftungen möglich“, sagt Regine
Lorenz. An der Organisation beteiligt war
die Körber-Stiftung, die Federführung lag
bei der Schwarzkopf-Stiftung. Diese setzt
sich seit über 40 Jahren dafür ein, den euro-
päischen Einigungs- und Friedensgedanken
unter jungen Leuten zu verbreiten.
Testamentarische Stiftungsgründung
Stifterin Pauline Schwarzkopf hatte zwei
Weltkriege miterlebt. Als einzig zukunfts-
fähigenWeg zum Frieden sah sie ein einiges
Europa. Für diese Vision wollte sie junge
Leute, in deren Händen die Zukunft liegt,
begeistern. Als erste überparteiliche Orga-
nisation fuhr ihre Stiftung Ende der 1970er-
Jahre mit deutschen Jugendlichen hinter den
„Eisernen Vorhang“: in die DDR und nach
Polen. Pauline Schwarzkopf verfolgte die
Arbeit ihrer Stiftung bis ins hohe Alter mit
enormem persönlichen Einsatz, fuhr zu na-
hezu allen politischen Seminaren und be-
gleitete fast jede Studienreise durch Europa.
Stifter können die Arbeit ihrer Stiftung so
persönlich prägen wie sie – müssen es aber
„Europa sind WIR – und nun?“ –
so lautet dieses Jahr das Motto der
Berliner Stiftungswoche
Thorsten Falkenberg (Bild Mitte) gründete
die Stiftung „dragondreams“, die sozial
benachteiligte Kinder und Einrichtungen
unterstützt
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