spendenmagazin 2013 - page 8

ie französische Militärinterven-
tion Anfang des Jahres hat kurz-
fristig Ruhe ins Land gebracht.
Doch dauerhaft scheint die Lage
im Norden Malis noch nicht stabil. „Es gab
kaum Kämpfe, die Islamisten sind noch
irgendwo“, sagt Hauke Nagel, Zweiter Vor-
sitzender des Kinderhilfswerks Dritte Welt,
das 15 Gesundheitszentren und 11 Schulen
in Mali unterhält. Er befürchtet Partisanen-
krieg, Entführungen und Terrorakte. Doch
einstweilen versuchen er und die internati-
onalen Helfer vor Ort, die Not der Menschen
zu lindern, die aus dem kriegerischen Nor-
den in den sichereren Süden und Westen
geflüchtet sind. „Alle Einrichtungen sind in-
takt und können helfen“, lautet Nagels gute
Nachricht. Wöchentlich halten er und seine
Kollegen telefonisch Kontakt nach Mali, um
sich einenmöglichst konkreten Eindruck von
der Lage und dem Hilfsbedarf zu machen.
Denn die Probleme sind gewaltig. „Die Dorf-
gemeinschaften haben sich zum Teil verdop-
pelt, die Projekte platzen aus allen Nähten“,
berichtet Nagel. In den Gesundheitszentren,
D
Flucht aus
dem Norden:
Wie steht es
um Mali?
Der Flüchtlingsstrom aus dem Norden Malis stellt die internationale
Hilfe vor große Herausforderungen. Die Beispiele Misereor, Oxfam und
Kinderhilfswerk Dritte Welt zeigen, wie die Not gelindert werden kann
Durch die Flüchtlinge aus
dem Norden haben sich die
Dorfgemeinschaften verdoppelt
Fotos: © Stefanie Beck/Oxfam Deutschland, Pablo Tosco/ Intermon Oxfam
die ursprünglich für die stationäre Behand-
lung von 20 bis 25 Patienten ausgelegt sind,
werden derzeit etwa 60–70 Hilfebedürftige
versorgt. Nach einem verzweifelten Appell
aus der Krankenstation in Kodougouni hat
das Kinderhilfswerk Dritte Welt unverzüg-
lich reagiert und gleich Anfang des Jahres
einen ersten 40-Fuß-Container mit Betten,
Verbandsmaterial und Desinfektionsmit-
teln auf den Weg gebracht.
Lokale Partnerorganisationen vor Ort
„Die Situation im Norden Malis ist unüber-
sichtlich und instabil“, bestätigt Misereor-
Sprecherin Petra Kilian. Hunderttausende
sind nach Ausbruch der bewaffneten Ausei-
nandersetzung auf der Flucht, etwa 345.000
haben das Land bereits im vergangenen
Jahr verlassen. Die Hilfe des Kinderhilfs-
werks Dritte Welt läuft über eine Malierin
als Kontaktperson, die lange in Deutsch-
land gelebt hat. Eine große Organisation
wie Misereor arbeitet mit lokalen Partneror-
ganisationen. „Sie kennen die Lage vor Ort
am besten und genießen das Vertrauen der
Bevölkerung“, sagt Kilian. Den Partneror-
ganisationen steht Misereor
mit Beratung und finanziel-
ler Unterstützung zur Seite.
So ist sichergestellt, dass
Hilfsprojekte nachhaltig und
an die Bedürfnisse und Le-
bensweisen der Menschen angepasst sind.
Oxfam versorgte bislang in der Region
Gao 59.250 Menschen mit Nahrung und
Wasser. Diese Hilfe funktioniert ebenfalls
dank Partnerorganisationen wie Tassaght.
Aktuell verschärft sich allerdings die Si-
tuation in Gao, da die Nachschubwege
nicht mehr funktionieren und der Bevöl-
kerung das Geld für Lebensmittel ausgeht.
Daneben unterstützt Oxfam die Flüchtlin-
ge, die aus Mali in Nachbarländer geströmt
sind. Im Mberra-Camp im westlich gele-
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