spendenmagazin 2_2013 - page 22

chen zu können, die mir wahnsinnig Spaß
machen. Wenn ich die Wahl treffen müsste,
würde ich mich imMoment wahrscheinlich
für die heute-show entscheiden. Aber das
würde mir schon wehtun, weil ich unheim-
lich gerne über Fußball rede, im Stadion
bin und derzeit als Champions-League-
Moderator Weltstars aus nächster Nähe bei
der Arbeit sehen kann.
Laut einer aktuellen Studie ist
Fernsehen die liebste Beschäfti-
gung der Deutschen, von denen
71 Prozent jeden Tag einschalten.
Ihre Zukunft ist also gesichert.
Aber droht bei täglichem TV-Kon-
sum nicht eine Überdosis?
Wenn man gezielt und selektiv
Fernsehen guckt, kann man durch-
aus was davon haben. Auf irgendei-
nem Kanal findet man jederzeit eine
Doku oder einen tollen Fernsehfilm,
der einen interessiert. Weil immer
mehr Leute Festplattenrekorder ha-
ben und so ihr eigener Programm-
direktor werden, lässt man sich
ohnehin nicht mehr vorschreiben,
wann man was sieht. Nur beim ziel-
losen Durchzappen stößt man auf
ein Ausmaß an Blödheit, das auch
körperlich wehtut.
Wo würden Sie im TV-Gesamtan-
gebot die heute-show ansiedeln?
Wir sind nicht die verfilmte
Süd-
deutsche Zeitung
, sondern gönnen
uns bewusst ein paar alberne Mo-
mente auf möglichst hohem Niveau.
„Komik muss einem
nicht gleich ins Gesicht springen“
Als Anchorman der heute-show kommentiert er Geschehnisse der vergan-
genen Woche mit trockenem Humor. Außerdem moderiert Oliver Welke
Champions-League-Spiele – und ist
Botschafter von terre des hommes
H
viert. Unterm Strich habe ich den Großteil
meines Lebens im Fernsehen sportjour-
nalistisch gearbeitet. Die Unterhaltungs-
komponente ist erst im Lauf der Zeit dazu
gekommen.
Ist es Ihnen wichtig, heute in beiden Be-
reichen tätig zu sein?
Ich bin sehr privilegiert, zwei Sachen ma-
err Welke, viele Kollegen in Ih-
rer Branche standen schon als
Dreijährige mit einer Bürste als
Mikrofon in der Hand vor der
Verwandtschaft und haben Witzchen zum
Besten gegeben. Wie war das bei Ihnen?
Die Haarbürste habe ich weggelassen. Aber
niemand, der sich so einen Beruf aussucht,
kommt ohne Mittelpunktskomplex
aus. Da bin ich keine Ausnahme.
Ich weiß, dass wir meinen Eltern
selbst geschriebene Karl-May-Stücke
vorgespielt haben, und die Armen
mussten sich das eine Dreiviertel-
stunde angucken und so tun, als
würde sie das interessieren. Zu
Schulzeiten hatten wir dann ein
kleines Fernsehstudio, weil unsere
Schule sehr eng mit Bertelsmann
in Gütersloh zusammengearbeitet
hat. Dort haben wir unter anderem
als Abiturienten eine Agentenfilm-
Parodie gedreht. Außerdemwar ich
natürlich in der Theater-AG.
Danach haben Sie etwas Seriö-
ses studiert – Publizistik. Hatten
Sie entsprechend ernste Berufs-
absichten?
Ursprünglich wollte ich Journalist
werden, habe passende Praktika
gemacht, zwei Jahre frei für eine
Zeitung sowie mehrere Jahre als
Filmemacher für den WDR gear-
beitet und ein Volontariat beim
Radio quer durch alle Redaktionen
von der Politik bis zum Sport absol-
Politik ist für Oliver Welke „erst mal ein
ernstes Thema, das umso lustiger wird,
wenn es ins Absurde abdriftet“
22 | Interview
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