spendenmagazin 2_2013 - page 24

ie Bevölkerungszahlen steigen weltweit stetig, lebens-
wichtige Ressourcen wie Wasser, landwirtschaftliche
Fläche und Öl sind zunehmend erschöpft, der Klima-
wandel beschleunigt sich. Angesichts dieser unverän-
derten Entwicklung sind Katastrophen programmiert. Gleichzeitig
hängen Staaten immer mehr voneinander ab. Trotzdem scheint die
Menschheit unfähig, sich global zu organisieren und angesichts
der bedrohlichen Lage zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.
Das wiederum gefährdet die Lebensgrundlagen künftiger Gene-
rationen. Vor diesem hochwahrscheinlichen Hintergrund stellen
sich global tätigen Hilfsorganisationen wie Amnesty International,
Greenpeace, Oxfam oder Misereor neue Aufgaben. Weil sie ihre
Wurzeln meist in den reichen Ländern des Nordens haben, aber
auch in den armen Ländern des Südens nach jahrzehntelanger
Hilfsleistung respektiert werden, können sie den internationalen
Interessenausgleich und soziale, ökologische und ökonomische Nach-
haltigkeit fördern. Wie das aussehen kann und welche Anforderungen
auf die Organisationen zukommen, haben Dr. Burkhard Gnärig, Leiter
des International Civil Society Centre, und Dr. Eckhard Priller, Leiter
Projektgruppe Zivilengagement imWissenschaftszentrumBerlin für
Sozialforschung (WZB), in aktuellen Forschungsvorhaben analysiert.
D
in der Zukunft
Humanitäre Hilfe
Wenn Hilfsorganisationen weiterhin an der
internationalen
Zusammenarbeit mitwirken wollen
, müssen sie sich verän-
dern – eine gewaltige Herausforderung
Antizipation und Integration
Wichtigste Veränderung in der Arbeit sei, meint Gnärig, künfti-
ge Entwicklungen vorherzusehen, statt ihnen hinterherzulaufen.
Dann könne man gezielt steuern. Inhaltlich sei es wichtig, Wirt-
schafts-, Entwicklungs- und Umweltpolitik nicht mehr als Kon-
kurrenten zu begreifen,
sondern sie miteinander zu
verzahnen. Diese Integrati-
on bedeutet eine Einschrän-
kung für die reichen Länder
des Nordens. Gnärig: „Wir
müssen zu einem integrier-
ten globalen Entwicklungs-
konzept gelangen, das ein
Ende der Verschwendung
und umfassende Nachhaltigkeit im Norden ebenso umfasst wie
die nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände im Süden.“
Hilfsorganisationen müssten daher mit ihren Mitgliedern, Freiwil-
ligen und Unterstützern zu einer Veränderung des Lebensstils in
Deutschland beitragen.
Globalisierung verschiebt Macht
Die meisten großen Hilfsorganisationen stammen aus der Zeit vor
der Globalisierung. Sie müssten Entscheidungen künftig so treffen,
dass globale Erwägungen gegenüber den Interessen einzelner natio-
naler Mitglieder Priorität haben. Eine Machtverschiebung vom Nor-
den zum Süden ist dabei unvermeidlich. Damit verbunden ist ein
neues Rollenverständnis: weg von klar verteilten Geber- und Neh-
merrollen hin zu gleichberechtigter Partnerschaft. Sorgen macht
sich Gnärig über die Finanzierung: Mit zunehmender Nutzung des
Internets würden Spenden direkt fließen und die Hilfsorganisatio-
nen ihre Mittlerrolle verlieren. Generell befürchtet er, Strukturen
Dr. Eckhard Priller,
Wissenschaftszentrum
Berlin für
Sozialforschung
Dr. Burkhard Gnärig,
International Civil
Society Centre
Die meisten gro-
ßen Hilfsorganisa-
tionen stammen
aus der Zeit vor
der Globalisierung
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