spendenmagazin 2_2013 - page 26

Politik fördert zwar Freiwilligendienste in
allen Lebensphasen, die finanzielle Förde-
rung geht aber in die Jugendfreiwilligen-
dienste.
Bergmann:
Es ist ein richtiges Signal für
die Gesellschaft, offen für die Generationen
zu sein. Es ist allerdings so, dass Menschen
sich in der Regel vor Weichenstellungen
in ihrem Leben für einen Freiwilligen-
dienst entscheiden, also zum Beispiel dem
Wechsel von der
Schule in den
Beruf. Auch nach
längerer Arbeits-
losigkeit kann
ein Freiwilligen-
dienst eine Lösung sein, wenn er zusätz-
liche Qualifikationen ermöglicht und neue
Perspektiven schafft. Der Grundsatz der
Freiwilligkeit muss aber im Vordergrund
stehen.
Wer ist der oder die typische Freiwillige?
Hängt das auch vom Geldbeutel ab?
Bergmann:
Die Dienste sind nach wie vor
sehr mittelschichtorientiert. Aber es än-
dert sich einiges, wie zum Beispiel beim
Altersdurchschnitt. Ich denke nicht, dass
die finanziellen Konditionen entscheidend
sind. Es ist eher so, dass das Bewusstsein
für Engagement unterschiedlich ist. Des-
rau Weduwen, Herr Bergmann,
es gibt mehr Interessenten für
einen Freiwilligendienst, als Plät-
ze zur Verfügung stehen.
Wie reagieren Sie darauf?
Michael Bergmann:
Die hohe Nachfrage
gerade beim Bundesfreiwilligendienst
(BFD) hat uns überrascht, ja überrollt, aber
doch auch erfreut. Alle Träger waren davon
ausgegangen, dass der Perspektivwechsel
vom Pflicht- zum Freiwilligendienst eine
gewisse Zeit dauert. Davon abgesehen war
die Nachfrage nach Freiwilligendiensten
schon immer höher als das Angebot, nicht
jeder bekommt immer seinen Wunschplatz.
Jutta Weduwen:
Bei uns sind Bewerbungen
von Männern durch den Wegfall des Zivil-
dienstes ganz eindeutig zurückgegangen.
Wir haben aber immer noch etwa doppelt so
viele Bewerbungen wie Plätze. Das ist auch
wichtig für uns, damit wir eine Auswahl ha-
F
„Bei uns gibt es
keine Altersgrenze nach oben“
Freiwilligendienste im In- oder Ausland sind beliebt – die Nachfrage über-
steigt das Angebot.
Wie gehen Anbieter der Dienste damit um?
Ein
Gespräch mit Jutta Weduwen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
und Michael Bergmann vom Deutschen Caritasverband
Jutta Weduwen, Geschäftsführerin von Aktion
Sühnezeichen Friedensdienste, und Michael
Bergmann, Leiter des Arbeitsbereichs Engage-
mentförderung im Deutschen Caritasverband
ben, die wirklich passend auf die Projekte
verteilt werden kann.
Der BFD wird insbesondere im Osten
Deutschlands zu großen Teilen von Men-
schen über 27 Jahre wahrgenommen. Bei
Auslandsdiensten gibt es meistens Alters-
grenzen. Wie stehen Sie zu einer Öffnung
der Dienste für Ältere?
Weduwen:
Bei uns gibt es keine Altersgren-
ze nach oben, wir haben immer auch Frei-
willige, die ein Sabbatjahr machen, oder
auch Senioren. Die Nachfrage steigt, sie
sind aber immer noch eine Ausnahme. Wir
sind sehr für eine Öffnung der staatlichen
Finanzierung auch für über 26-Jährige. Die
„In der Regel entscheiden sich Men-
schen vor Weichenstellungen in ihrem
Leben für einen Freiwilligendienst“
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