spendenmagazin 2_2013 - page 28

geschafft, das Abiturzeugnis steckt in der Tasche. Doch
wohin soll die Reise jetzt gehen? Marianne Knorrn ha-
dert ein wenig mit der Entscheidung. Sie weiß nicht,
ob ein kulturwissenschaftliches Studium wirklich das
Richtige für sie ist. Als das Gewandhaus in Leipzig eine Freiwillige
sucht, bewirbt sie sich – mit Erfolg. Seit September 2012 arbeitet
die 18-Jährige im Chorbüro und erledigt tausenderlei Dinge. „Es ist
toll zu sehen, wie Kultur funkti-
oniert und was wir hier auf die
Beine stellen“, sagt sie.
Die Umstellung von der Schule
auf einen 40-Stunden-Job fällt
ihr zunächst etwas schwer, aber
heute hat sie ihren Rhythmus gefunden. „Es ist zwar oft stressig,
aber dafür superspannend“, sagt die Leipzigerin. Der Einsatz im
Gewandhaus hat auch ihre anfänglichen Zweifel in Sachen Studium
aufgelöst. Es ist genau „mein Ding“, so die junge Frau.
Wie Marianne Knorrn machen es Zigtausende Jugendliche jedes Jahr
G
Junge Freiwillige im Inland:
Mit Herzblut dabei
Wer sich als Jugendlicher oder junger Erwachsener
freiwillig in Deutsch-
land engagieren möchte
, hat viele Optionen: ob sozial, ökologisch, kultu-
rell, im Sport oder in der Denkmalpflege
Nur beim FSJ, FÖJ und BFD sind
die Rahmenbedingungen für die
Einsätze gesetzlich geregelt
Viele junge Menschen nutzen nach der Schule
die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines Freiwilli-
gendienstes zu engagieren und orientieren –
zum Beispiel im sozialen Bereich
Fotos: Jon Hoekstra/Presse Bundesfreiwilligendienst
in Deutschland: nach der Schule erst einmal praktische
Erfahrungen sammeln, sich beruflich orientieren oder
Wartezeiten sinnvoll überbrücken. Seit vielen Jahren
bereits bieten Jugendfreiwilligendienste wie das „Frei-
willige Soziale Jahr“ (FSJ) oder das „Freiwillige Ökolo-
gische Jahr“ (FÖJ) jungen Menschen unter 27 Jahren
die Chance, sich nützlich zu machen. Sie verpflichten
sich normalerweise für ein Jahr, arbeiten ganztags und
nehmen verbindlich an 25 Seminartagen teil. Engagie-
ren können sich alle, die ihre Schulzeit beendet haben,
unabhängig von ihrem Abschluss.
Finanziell über die Runden kommen
Als neuer Anbieter ist Mitte 2011 der Bundesfreiwilli-
gendienst (BFD) hinzugekommen, der den Wegfall der
Zivildienststellen kompensieren soll. Der BFD steht
Frauen und Männern jeden Alters offen. 2012 haben offi-
ziellen Angaben zufolge rund 85.000 Freiwillige mit die-
sen drei Diensten gearbeitet, 37.000 allein mit dem BFD.
Es gibt in Deutschland zwar zahlreiche Freiwilligen-
dienste, doch nur beim FSJ, FÖJ und BFD sind die Rah-
menbedingungen für die Einsätze gesetzlich geregelt. Die Dienste
gelten als unentgeltlich, doch ist ein Taschengeld von bis zu 330 Euro
monatlichmöglich. Die konkrete Höhe bestimmt die jeweilige Einsatz-
stelle oder der Träger. Sie zahlen auch die Beiträge für die Kranken-,
Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Zudembesteht
bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld. Das Taschengeld
ist zwar nicht üppig, aber zusammen mit dem Kindergeld verfügen
die jungen Leute über etwas mehr als
500 Euro monatlich. Wer wie Marianne
Knorrn in einer WG lebt, kommt damit
so gerade über die Runden. „Ich wusste ja
vorher, auf was ich mich da einlasse“, sagt
sie. Doch je nach Lebenssituation schließt
die geringe Höhe des Taschengeldes sicherlich auch Interessenten aus.
„Für beide Seiten etwas Besonderes“
Ans Geld hat Antoine Boecker erst mal gar nicht gedacht. Er wollte
sich vor allem gesellschaftspolitisch engagieren. Für Aktion Süh-
28 | Engagement
1...,18,19,20,21,22,23,24,25,26,27 29,30,31,32,33,34,35,36
Powered by FlippingBook