spendenmagazin 2_2013 - page 30

üll auf einem Recyclinghof
sortieren, Grundschüler in
Umweltthemen unterrich-
ten: Johanna Markmeyers
Alltag wechselt seit einem Dreivierteljahr
zwischen harter körperlicher Arbeit und
kreativen Herausforderungen. Die 19-Jäh-
rige leistet ihren Freiwilligendienst in Costa
Rica. Ihre Aufgabe sieht sie pragmatisch: „Ja,
ich denke, dass ich mich hier nützlich ma-
chen kann. Das kann man fast überall ...“,
sagt die Berlinerin.
Johanna Markmeyer ist über den Internati-
onalen Christlichen Friedensdienst EIRENE
ausgereist, einer von zahlreichen Trägeror-
ganisationen im „weltwärts“-Programm,
das aus staatlichen Mitteln gefördert und
vom Bundesentwicklungsministerium um-
gesetzt wird. „weltwärts“ ist derzeit eines
der bekanntesten Angebote auf dem Markt
der Freiwilligendienste, mit denen junge
Leute ins Ausland gehen können. 2011
wurden nach Angaben des Arbeitskreises
Lernen und Helfen in Übersee e.V. mehr als
7.100 Personen in ökologische, soziale oder
kulturelle Freiwilligendienste in anderen
Ländern vermittelt.
Welche Organisationen kommen in Frage?
Zahlreiche staatliche und nichtstaatliche
Entsendeorganisationen werben die jungen
Leute an: Zu den bekanntesten zählen neben
„weltwärts“ der vergleichsweise neue Inter-
nationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD)
vom Bundesministerium für Familie, Seni-
oren, Frauen und Jugend, „kulturweit“ vom
Auswärtigen Amt sowie der Europäische
M
„Wir sind nicht hier,
um die Welt zu verändern“
Internationale Freiwilligendienste sind beliebt
– ob sie auch sinnvoll sind,
liegt in der Hand der Träger und der Freiwilligen selbst
Freiwilligendienst. In aller Regel werden
Unterkunft, Verpflegung und Reisekosten
übernommen, die Teilnehmenden erhalten
ein Taschengeld und sind versichert. Die
Einsätze gehen normalerweise über min-
destens sechs bis höchstens 24 Monate.
Kürzere Einsätze gibt es auch, etwa über die
Internationalen Jugendgemeinschaftsdiens-
te, allerdings meist ohne finanzielle Unter-
stützung. Bei manchen Organisationen – so
auch im Falle Johanna Markmeyers – muss
zusätzlich ein „Spenderkreis“ von Freunden
und Verwandten gebildet werden, um Eigen-
beiträge mitzufinanzieren oder die Organi-
sation zu unterstützen. Die Spendenwürdig-
keit einer Organisation kann mithilfe des
DZI geprüft werden. Für die jungen Leute
liegen die Vorteile eines solchen Einsatzes
auf der Hand: Sie lernen die Welt kennen,
erwerben Kompetenzen für ihr weiteres Le-
ben, können ihre Sprachkompetenzen ver-
bessern und vielleicht sogar Möglichkeiten
für einen späteren Beruf entdecken.
Für Johanna Markmeyer etwa ist die Arbeit
in Costa Rica auch ein großer Schritt zum
Erwachsenwerden. Alles muss sie selbst auf
die Beine stellen: die Wohnungssuche, die
Arbeit in den Schulen, das Leben in einem
völlig anderen Land. Dabei lernt sie viel. Ob
ihr Einsatz vor Ort auch gebraucht wird? Ja,
denn: Es sei kein Ersatz der Arbeitskräfte
gefragt, sondern „mitwirken, aushelfen,
frischen Wind und andere Ideen mitbrin-
gen“, betont die 19-Jährige. Natürlich wäre
es gut, wenn die Arbeit auch von Menschen
gemacht würde, die länger im Land lebten,
räumt sie ein: „Aber es wird hier wohl kaum
welche geben, die es sich leisten können,
ohne Einkommen zu arbeiten.“
Einhaltung der Qualitätsstandards
Wer einen internationalen Freiwilligendienst
absolviert, kommt ohne einen gewissen Zwie-
spalt nicht aus. Ist die Arbeit wirklich sinn-
voll? Hat die Partnerorganisation vor Ort für
meine Fähigkeiten tatsächlich Verwendung?
Und wie nachhal-
tig ist ein meist
einjähriger Ein-
satz von jungen
Menschen, die in
der Mehrzahl der
Fälle keine Berufsausbildung mitbringen?
Entsprechend skeptisch auch die Bilanz
einer ersten Evaluierung von „weltwärts“:
Ein Viertel der befragten Teilnehmer hielt
seine Stelle „gar nicht oder kaum für einen
Freiwilligen geeignet“, die Hälfte musste
sich selbst Arbeit suchen. Auch die Part-
nerorganisationen hatten in einem Drittel
der Fälle Schwierigkeiten damit, passende
Arbeit für die Freiwilligen zu finden. In der
Mehrheit der Fälle fehlte es an fachlicher
Anleitung vor Ort. Als besonders unglück-
lich empfinden manche es angesichts dieser
Ergebnisse, dass die erfahrene GIZ sich aus
dem Programm ganz zurückgezogen hat.
Jürgen Deile, Koordinator Internationale
Von den Freiwilligen wird erwartet,
dass sie „mitwirken, aushelfen,
frischen Wind und Ideen mitbringen“
30 | Engagement
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