spenden magazin 2014 - page 11

elche besonders eindrucks-
vollen Beispiele des Enga-
gements von Kindern und
Jugendlichen haben Sie als
Bundesfamilienministerin in den vergan-
genen Monaten kennengelernt?
Es ist schwer, aus der Fülle beeindruckender
Beispiele eines oder zwei herauszugreifen.
Aber ganz besonders beeindrucken mich
immer Aktionen von Kindern für Kinder
wie z.B. bei „Children for a better world e.V.
Jugend hilft“, wo Kinder und Jugendliche
selbst in fünf Kinderbeiräten entscheiden,
welche sozialen Projekte gefördert werden
sollen. Alle, die sich ehrenamtlich engagie-
ren, kennen das gute Gefühl, sich für andere
einzusetzen und ihnen zur Seite zu stehen.
Deutschland belegt im jüngsten World
Giving Index im Hinblick auf die Hilfs-,
Spenden- und Engagementbereitschaft
den 22. Platz, bei 135 untersuchten Staa-
ten. Das ist nicht wirklich schlecht, aber
wir liegen deutlich hinter Ländern wie Ka-
nada, Großbritannien, den Niederlanden
oder der Schweiz. Was muss geschehen,
damit Deutschland in zehn Jahren einen
Rang unter den ersten zehn einnimmt?
Internationale Vergleiche sind nicht immer
wirklich aussagekräftig, denn oft sind Vo-
raussetzungen und Strukturen sehr unter-
schiedlich. Das gilt auch für die Statistik.
Deutschland hat eine starke und lebendige
W
Es fehlt oft an Wertschätzung
für die ehrenamtlich Engagierten
«
Foto: Bundesregierung/Denzel
Interview: Maike Zürcher
Zivilgesellschaft. Über 23 Millionen Men-
schen engagieren sich in unserem Land
freiwillig – in den ca. 600.000 Vereinen, in
den Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und in
vielen zivilgesellschaftlichen Organisatio-
nen und Initiativen. Aus meiner Sicht fehlt
es leider oft an Anerkennung und Wert-
schätzung für jene, die sich ehrenamtlich
engagieren. Wer sich engagiert, tut dies oft
aus der Überzeugung heraus, etwas für sich
und andere verbessern zu können. Engage-
ment bringt Menschen zusammen und Din-
ge in Bewegung – das ist wichtig. Deshalb
möchte ich mich dafür einsetzen, dass das
freiwillige Engagement auch bekannter und
sichtbarer wird.
Mit welchen Maßnahmen will das Bundes-
familienministerium in den nächsten Jah-
ren die Entwicklung des bürgerschaftlichen
Engagements in Deutschland fördern?
Engagementpolitik ist für mich Teil einer
zeitgemäßen Gesellschaftspolitik. Wichtige
Ziele sind die nachhaltige Stabilisierung
von Engagementstrukturen, die Versteti-
gung des Bewährten und mehr Vernetzung.
Dies wollen wir erreichen in einer engen
Zusammenarbeit von Staat, Zivilgesell-
schaft, mit Stiftungen und der Wirtschaft.
Seit meiner Amtsübernahme hat es auch im
Ministerium einige Umstrukturierungen
gegeben, um das bürgerliche Engagement
zu unterstützen, weiterzuentwickeln und
zu stärken. Das Gefüge
von klassischem Eh-
renamt, Vereins- und
Verbandsstrukturen,
unternehmerischem En-
gagement und Stiftungen und den organi-
sierten Freiwilligendiensten soll noch enger
zusammenwachsen und dadurch insgesamt
stärker in die Gesellschaft hinein wirken.
Wie können sich Bürgerinnen und Bürger
informieren, um sicherzugehen, dass sie
für ihre Spende oder ihr ehrenamtliches
Engagement eine vertrauenswürdige Or-
ganisation auswählen?
Mein Haus fördert die Spenderberatung
des DZI. Denn Information ist für Spender
und Spenderinnen sehr wichtig. Aufgrund
der Vielfalt der Angebote oder raffinierter
Werbemethoden am Spendenmarkt wird
es immer schwieriger, sich eine Übersicht
zu verschaffen und eine Entscheidung zu
treffen, wem man seine Hilfeleistung zu-
kommen lassen soll. Durch die Spender-
beratung werden Transparenz, Vertrauen
und die Spendenbereitschaft der Menschen
gestärkt und unterstützt.
„Engagement
bringt Menschen
zusammen“
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig
erklärt im Interview, wie sie das bürgerschaftli-
che Engagement in Deutschland stärken will
Engagement | 11
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