spenden magazin 2014 - page 12

„Ich erlebe meinen Beruf
als erfüllend und sinnhaft“
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten über ihre tägliche Arbeit, über
Herausforderungen und beglückende Momente
Dr. Barbara Höfler, 76, Ärztin in dem von ihr gegründeten Projekt „Medizinische
Basisversorgung für Straßen- und Slumkinder“ in Port-au-Prince, Haiti. Der Verein
„LESPWA“ e.V. unterstützt sie von Deutschland aus.
Seit 16 Jahren arbeite ich ehrenamtlich als Ärztin in Haiti, mittlerweile hauptsächlich für über
3.000 Kinder von drei bis sechs Jahren und ihre Angehörigen in den Vorschulen der Salesianerpatres
Don Boscos im Slum Cité Soleil. Viele der meist alleinstehenden Mütter verdienen das Geld zum
Überleben durch Prostitution. Um diesen Frauen ihre Würde wiederzugeben und sie unabhängig zu
machen, damit sie ihre Kinder gesund ernähren können, verwende ich einen Teil meiner in Deutsch-
land angeworbenen Spenden dazu, ihnen Startkapital für einen Kleinsthandel zu geben. Mehr als
80 Prozent der Eltern sind Analphabeten, haben nie eine Schule besucht. Für sie gebe ich Kurse in
Gesundheitskunde und in Erziehungsfragen. Die einzige Chance, unsere Slumkinder zu befähigen,
später ihren elenden Lebensbedingungen zu entfliehen, ist Schul- und Berufsausbildung. Für meine
sehr anstrengende Arbeit in der Hitze und im Schmutz der Slums belohnen mich die Kinder hun-
dertfach mit ihrem strahlenden Lächeln.
Peter Melchin, 58,
Mitbegründer und Vorstandsmitglied von
„Gegen Noma – Parmed e.V.“
Mit meiner achtmonatigen Alpenquerung 2008 von
Wien nach Monte Carlo, allein und zu Fuß, legte ich
mein „altes Leben“ als Sportlehrer ab. Seither bin
ich Botschafter für den Verein und engagiere mich
für an Noma erkrankte Kinder in Burkina Faso. In
Deutschland mache ich auf die Arbeit des Vereins
aufmerksam, und mindestens einmal im Jahr fliege
ich nach Burkina Faso, um dort unsere Projektpart-
ner zu besuchen. In Afrika sind über 100.000 Kinder
von Noma betroffen.
Noma ist eine bakterielle
Krankheit, die das ganze
Gesicht zerfrisst und in
80 Prozent der Fälle zum
entsetzlichen Tod führt.
Durch Aufklärung und
Prävention kann man die-
se Krankheit ausrotten.
Ute Starck, 54,
SOS-Kinderdorfmutter
Seit fast 15 Jahren lebe ich als SOS-Kinder-
dorfmutter mit Kindern und Jugendlichen
wie in einer Familie. Unser Zusammensein
wird von vielfältigen Aufgaben und Terminen
bestimmt – Alltag, Schule, Freizeit und Feste
wollen organisiert sein. Meine Hauptaufgabe
sehe ich jedoch im Aufbau tragfähiger und
verlässlicher Beziehungen zu den mir anver-
trauten Kindern und Jugendlichen, die mit
starken Belastungen zu uns kommen und oft
das Vertrauen in Erwachsene verloren haben.
Ich nehme in Kauf, dass sich bei mir Privates
und Berufliches stark mischt und meine Frei-
zeit recht eingeschränkt ist, denn ich erlebe
meinen Beruf als erfüllend und sinnhaft. Ich
darf „meine“ Kinder ein Stück auf ihrem Weg
in ein selbstständiges Leben begleiten und
kann mich mit ihnen an ihren Erfolgen freuen
– auch wenn sie längst ausgezogen sind.
Fotos: Frank Domahs, Christoph Rublack, Gunther Willinger, privat
12 | Hilfsorganisationen
1...,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11 13,14,15,16,17,18,19,20,21,22,...36
Powered by FlippingBook