spenden magazin 2014 - page 14

ine Herausforderung gleich der Tsunami-Katastrophe von
2004 – so bewerten die Vereinten Nationen den Ebola-Aus-
bruch, der Westafrika heimsucht. Anders als bei Naturka-
tastrophen läuft die Hilfe aber nur langsam an – bisher
rufen erst wenige große Hilfsorganisationen zu Spenden auf.
So bittet etwa das Deutsche Rote Kreuz (DRK) um Spenden. Damit
unterstützt es die internationale Hilfsoperation der Rotkreuz- und
Rothalbmondgesellschaften. Das Geld soll vor allem die lokalen
Gesundheitsstrukturen stärken. Mehr als 3.500 Freiwillige wur-
den dafür bisher geschult – Einheimische, die das Vertrauen ih-
rer Gemeinschaft genießen und dadurch für Aufklärung sorgen
können. Sie helfen dabei, dass Bestattungen und die traditionellen
Totenwaschungen ohne erhöhtes Infektionsrisiko vonstatten gehen.
Sie helfen bei der Desinfektion von Häusern und Gesundheitsstati-
onen. Sie helfen, Krankheitsfälle rückverfolgen zu können – alles
lebenswichtige Aufgaben. Sie schützen damit nicht nur Menschen
vor Ansteckung, sie halten auch ganze Gesellschaften am Leben.
Denn die Epidemie legt die Wirtschaft lahm, sie sorgt für brachlie-
gende Felder und gefährdet die Sicherheit.
Klar ist aber: Spenden sind nicht alles. Das DRK rief am 25. Sep-
tember Ärzte, Hebammen, Röntgenfachpersonal und andere zu
mehrwöchigen Einsätzen auf. Innerhalb weniger Tage meldeten
sich rund 1.200 Interessenten, berichtet eine Sprecherin.
E
Ebola:
Grenzenlose Herausforderung
In bisher ungekanntem Ausmaß bedroht die Ebola-Epidemie die Menschen in Westafrika. Das öffent-
liche Leben ist großteils zum Erliegen gekommen. Was die Hilfe angeht, mangelt es vor allem an
personeller und technischer Unterstützung
Die seit Monaten grassierende Epidemie legt
die Wirtschaft lahm, sorgt für brachliegende
Felder und gefährdet die Sicherheit
«
Das Deutsche Rote
Kreuz schult einhei-
mische Freiwillige,
die die Bevölkerung
aufklären und bei
der Desinfektion
von Häusern und
Gesundheitsstatio-
nen helfen
Fotos: DRK/ IFRK
Ann Kathrin Sost
Es fehlt an dringend notwendigen Ressourcen
Doch der Bedarf ist riesig, an medizinischer wie an praktischer
Hilfe vor Ort. Die Verantwortung werde den überforderten lokalen
Behörden und privaten Hilfsorganisationen überlassen, kritisier-
te die internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne
Liu. Die erfahrene Hilfsorganisation sieht sich angesichts der völlig
lückenhaften medizinischen Versorgung, des Personal- und Mate-
rialmangels in den betroffenen Ländern an der Kapazitätsgrenze.
Seit März hilft sie mit mehr als 3.000 Mitarbeitern in sechs Ebola-
Behandlungszentren. Doch die nicht einmal 550 Betten reichen
nicht aus, um alle Patienten aufzunehmen. Aber derzeit habe man
keine weiteren Ressourcen für zusätzliche Behandlungszentren
und die Entsendung von Fachkräften, teilt Ärzte ohne
Grenzen mit – und fordert ausdrücklich Staaten mit
Katastrophenschutz-Kapazitäten auf, Personal und
Material zu schicken.
Ärzte ohne Grenzen bittet nicht explizit um Spenden
zum Thema Ebola, ist aber dankbar für Spenden ohne
Zweckbindung. Denn freie Spenden können flexibel dort eingesetzt
werden, wo sie am nötigsten sind. Damit zieht Ärzte ohne Grenzen
unter anderem Lehren aus der Tsunami-Katastrophe von 2004, bei
der die Mittel für die Opfer des Seebebens schnell ausreichten, wäh-
rend andere Projekte Not litten.
Bei der Ebola-Katastrophe stellt sich die Situation anders dar: Hier
ist keine Spendenflut das Problem, sondern der Mangel an personel-
ler und technischer Unterstützung. Diese dürfte aber noch auf Mo-
nate hinaus nötig sein. Offiziell wird die Epidemie erst für beendet
erklärt, wenn 42 Tage lang kein neuer Fall auftaucht.
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