spenden magazin 2014 - page 17

Die Spenderberatung des DZI informiert, welche Spendenorganisationen auf den
Philippinen Hilfe leisten.
scherei leben, noch immer an Booten, Net-
zen und Motoren. Aber auch für die Land-
wirtschaft fehlen Vieh und finanzielles
Kapital als Starthilfe, berichtet der Presse-
sprecher der Hilfsorganisation, Louay Yas-
sin. In eigener Sache renoviert die Organi-
sation ihr Kinderdorf in Tacloban, das stark
beschädigt wurde – glücklicherweise blie-
ben die dort lebenden Familien und Hun-
derte Familien aus der
Nachbarschaft, die im
Kinderdorf Zuflucht
gesucht hatten, unver-
letzt. Außerdem setzt
SOS - K i nde r dö r f e r
zwei Schulen in Tacloban wieder in Stand.
Die SOS-Kinderdörfer betreiben auf den
Philippinen acht Kinderdörfer, vier Kinder-
gärten, ein Berufsausbildungszentrum und
elf Sozialzentren zur Unterstützung armer
Familien. Nach der akuten Nothilfe richtete
die Organisation sogenannte „Child Friend-
ly Spaces“ ein, wo die Kinder versorgt wer-
den, während sich ihre Eltern um Nahrung
oder den Aufbau ihrer Häuser kümmern.
Hier konnten sich die Kinder in der Zeit di-
rekt nach Haiyan richtig satt essen, spielen,
lernen und wieder ganz Kind sein – eine Hil-
fe, die zugleich auch der Verarbeitung der
schrecklichen Erfahrungen dient.
Fotos: corbis, getty images
lokalen Bevölkerung wird nach Lösungen
für sturmfeste Behausungen gesucht –
zum Beispiel durch Betonfundamente und
stabilere Dächer. Misereor unterstützt mit
seinen Netzwerkpartnern des „Philippine-
Misereor Partnership“ (PMPI) vor allem die
Menschen in den abgelegenen Regionen: Küs-
tenfischer erhalten Boote, Trinkwasser- und
Bewässerungssysteme werden wieder nutz-
bar gemacht. Die Christoffel-Blindenmission
(CBM) kümmert sich um die Versorgung von
Familien, die Angehörige mit Behinderungen
haben, sowie um besonders benachteiligte
Bevölkerungsgruppen. Zehn Projektpartner
versorgen die Menschen mit Lebensmitteln,
Moskitonetzen, Schlafmatten sowie Koch-
und Aufbewahrungsgegenständen.
Das Kinderdorf als Zufluchtsort
Auch bei der Organisation SOS-Kinderdör-
fer weltweit richtet sich der Wiederaufbau
nach den Bedürfnissen der Menschen, wes-
halb SOS-Mitarbeiter ständig vor Ort sind,
um den Bedarf zu ermitteln. So mangelt es
in Tacloban, wo viele Menschen von der Fi-
Als nächstes Ziel sollen die Men-
schen in die Lage versetzt werden,
wieder für sich selbst zu sorgen
zerstört – dazu zählen nicht nur Straßen, son-
dern auch die Kanalisation. Help baut zudem
zerstörte Schulen und Weiterbildungsein-
richtungen sowie eineMarkthalle wieder auf.
Einbindung der lokalen Bevölkerung
Hilfe zur Selbsthilfe – der Name ist Pro-
gramm: Als nächstes Ziel sollen die Men-
schen auf den Philippinen nun in die Lage
versetzt werden, wieder für sich selbst zu
sorgen, betont Wirtz. „Wir unterstützen die
lokalen Fischer mit neuer Ausrüstung und
schaffen mit Fischzuchtbecken ärmeren
Menschen wieder eine Perspektive.“
Diesen Ansatz verfolgt auch das Bündnis
Entwicklung Hilft, das in einem derartigen
Katastrophenfall Not- und Entwicklungs-
hilfe miteinander verbindet: „Die Bünd-
nis-Hilfswerke arbeiten stets mit lokalen
Partnerorganisationen zusammen und
entsenden nur sehr kleine eigene Teams
in die Katastrophengebiete. Somit wird die
lokale Bevölkerung von Anfang an stark in
die Hilfsmaßnahmen eingebunden – schon
bei der akuten Nothilfe, der Verteilung von
Nahrungsmitteln, Zelten, Decken, Hygiene-
artikeln. Das schafft Vertrauen in die Hilfe
aus dem Ausland“, erklärt Peter Mucke, Ge-
schäftsführer des Bündnisses, zu dem die
Organisationen Brot für die Welt, Christof-
fel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico
international, Misereor, terre des hommes
und Welthungerhilfe gehören.
Wichtig sei es, den Bedürfnissen der Bevöl-
kerung Rechnung zu tragen, sagt Mucke:
„Da wird genau analysiert: Wer sind eigent-
lich die Bedürftigsten, deren Haus zuerst
wiederaufgebaut werden muss? Wie können
wir die Häuser – im Idealfall mit lokal ver-
fügbaren Rohstoffen – so bauen, dass sie
dem nächsten extremen Naturereignis bes-
ser standhalten? Wie nutzen wir den Wie-
deraufbau, um in der Bevölkerung selbst
Know-how zu entwickeln, die Menschen
zum Beispiel in handwerklichen Berufen zu
schulen?“ Mucke hat keinen Zweifel, dass
sich das in der Nothilfe gewonnene Vertrau-
en der Filipinos auszahlt: „Organisationen,
die Häuser nach Schema F wiederaufbauen,
sind sicherlich schneller als wir. Aber wir
sind überzeugt: Unser Ansatz wirkt nach-
haltiger.“ Von den Bündnisorganisationen
engagiert sich die Welthungerhilfe bei-
spielsweise beim Wiederaufbau von Wohn-
häusern und Schulen. Gemeinsam mit der
Eine Mutter und ihre Tochter auf der Insel
Samar waschen die Kleidung, die sie aus ihrem
zerstörten Haus retten konnten
Patricia Thivissen
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