spenden magazin 2014 - page 20

sich nur auf andere zu verlassen. In unserer
privilegierten Situation müssen wir dafür
dankbar sein, etwas geben zu können. Es
gibt da ein tolles Zitat: „Von allem, was ich
besaß, blieb nur das Verschenkte.“ Das ist
nicht nur materiell gemeint, sondern kann
sich auch auf Zeit beziehen.
Wann ist Ihnen das bewusst geworden?
Beim Dreh von„Nirgendwo in Afrika“ haben
wir als Dankeschön eine Anbindung an die
nächstgrößere Straße gebaut. Denn die Dorf-
ältesten von Mukutani hatten beschlossen,
dass niemand für seinen Auftritt vor der
Kamera bezahlt
wird, sondern
alle einen Benefit
bekommen soll-
ten. Also haben
wir versucht,
das nötige Geld in Deutschland aufzutreiben
und die Bauarbeiten in Kenia zu organisie-
ren. Weil das Kinderhilfswerk World Vision
seit 1996 ein Entwicklungsprogramm in der
Region durchführt, haben wir gefragt, ob sie
das für uns abwickeln könnten.
So konkret helfen zu können, ist etwas
Besonderes. Meist spendet man, ohne zu
wissen, wohin genau das Geld geht.
Wenn Helfen immer so einfach wäre! Als
wir mit dem Jeep in kenianische Dörfer
kamen, liefen alle Kinder auf uns zu. Die
habe ich mir gepackt, bin mit denen in ei-
nen Laden und habe ihnen gesagt: „Packt
Euch eine Tüte voll mit dem, was ihr wollt.“
Daraufhin wurde ich kritisiert: „Caroline,
was bringst du denen bei? Lauert auf Touris-
ten, bettelt, und dann kriegt ihr viel mehr,
als ihr an dem Vormittag in der Schule oder
er Start Ihres letzten Films „Exit
Marrakech“ liegt über ein Jahr
zurück. Was steht bei Ihnen als
nächstes Vorhaben an?
Wenn man das in unserem Job immer sofort
nach dem Ende eines Projekts wüsste, wäre
man entspannter. Ein paar Monate habe ich
mir nur für die Familie gegönnt. Aber jetzt
überlege ich schon, was mein nächstes The-
ma wird, woher ein neuer Vertrag kommt.
Gibt es denn eine vage Richtung?
Klar ist, dass ich keinen Familienfilm mehr
machen will. Das ist jetzt wirklich erledigt.
Ich möchte mich aber gerne weiterhin mit
interessanten Figurenkonstellationen und
Welten beschäftigen, ohne eine Botschaft
vor mir herzutragen. Im Gegensatz zu frü-
heren Arbeiten wie „Jenseits der Stille“, wo
ich noch reinen Herzens, optimistisch und
versöhnlich war, bin ich ernster und ein
bisschen desillusionierter geworden. Ich
kann nicht mehr so ohne weiteres denken:
Wir nehmen uns alle an der Hand und krie-
gen das hin. Trotzdemwill ich nicht zynisch
und traurig werden, möchte gerne noch an
das Gute in den Menschen glauben.
Welche Weltsicht wollen Sie Ihrer elfjähri-
gen Tochter vermitteln? Die, dass die Welt
nicht nur schön ist, es aber trotzdem die
Möglichkeit gibt, etwas zu tun?
Es würde mich wahnsinnig freuen, wenn
sich Pauline zuständig fühlen würde, statt
D
„Ich möchte gern an
das Gute im Menschen glauben“
Seit ihrem Debüt mit „Jenseits der Stille“ ist Caroline Link eine der renommiertesten deutschen
Regisseurinnen. Im Rahmen ihrer Arbeit betritt sie bevorzugt fremde Welten und lässt andere in
der Form von Filmen an ihren Erfahrungen teilhaben. Denn Geben liegt ihr generell am Herzen
Wenn man sich sinnvoll engagieren
will, muss man Organisationen unter-
stützen, die Hilfe zur Selbsthilfe geben
Caroline Link interessiert am meisten, was sie vor-
her noch nicht wusste. Das ist ihr „Lebenstraum“
– ob auf Auslandsreisen oder bei der Arbeit
20 | Interview
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