spenden magazin 2014 - page 22

Mikrokredite helfen Menschen, die bei den
großen Banken keine Chance haben
as Sparschwein ist in Kambodscha vieles: Es bringt Kindern
bei, ihr Taschengeld zu sparen. Es dient armen Familien, die
kein Konto bei einer Bank bekommen, als Finanzdepot. Und
Pich Thy hat das Sparschwein ihre Existenz gesichert. Mit
ihrer Familie stellt die Kambodschanerin aus Ton hübsch verzierte
Sparschweine, -hühner und -elefanten her und verkauft sie auf dem
Markt. Das Geld hat sie wieder investiert: in eine Schweine- und Hüh-
nerzucht sowie die Ausbildung ihrer Kinder. Für ihre Sparschwein-
Werkstatt erhielt Pich Thy einen Mikrokredit von VisionFund, einer
von der christlichen Hilfsorganisation World Vision gegründeten ge-
meinnützigen Mikrofinanzorganisation. Von den 6,6 Millionen Euro,
die VisionFund als Mikrokredite vergibt, kommen zwischen 70 und
85 Prozent Frauen zugute; die Rückzahlungsquote beträgt 97 Prozent.
„Micro – Der Gute Kredit“: das Konzept von World Vision
Nicht nur in Kambodscha, in zahlreichen Ländern sind diese Klein-
kredite die einzige Möglichkeit für arme Familien, sich eine Exis-
tenz aufzubauen. Rund 2,7 Milliarden Menschen auf der Welt haben
nach Schätzungen des Bundesentwicklungsministeriums keinen
Zugang zu klassischen Finanzdienstleistungen.
Doch es gibt auch schwarze Schafe auf dem Markt: profitgierige An-
bieter, die mit horrenden Zinsen ein Geschäft mit der Armut machen.
So tauchen immer wieder Berichte von Menschen auf, die sich mit
mehreren Kleinkrediten hoffnungslos überschuldet haben. Das macht
deutlich: Mikrokredite müssen professionell begleitet und an Bedin-
gungen geknüpft, die Kreditnehmer sorgfältig ausgewählt werden.
Beispiel World Vision: „Micro – Der Gute Kredit“ heißt das Konzept
D
der Organisation. Den Kredit erhalten die Menschen erst, nachdem
sie eine Reihe von Bedingungen erfüllt haben: Zunächst müssen
Menschen Spargruppen bilden und sich als Sparer beweisen. Erst
dann werden an Kleingruppen oder gelegentlich Einzelpersonen
Mikrokredite vergeben. Diese gibt es nur verknüpft mit Trainings
und Schulungen durch lokale World Vision-Mitarbeiter. Im Falle
von Pich Thy war dies ein Mal- und Töpferkurs.
„Soziale Mikrofinanz“: das Konzept von Opportunity International
Auf verantwortungsvolle Vergabe setzt auch die christliche Organi-
sation Opportunity International mit ihrem Konzept der „Sozialen
Mikrofinanz“, von dem weltweit rund 4,7 Millionen Klienten profi-
tieren. Regelmäßige Schulungen beruflicher und sozialer Art – also
sowohl etwa zur Buchführung wie auch zu Gesundheitsthemen –
sind hier Bedingung, um Mikrokredite, aber auch Sparkonten und
Versicherungen zu erhalten. Zugleich sichert Opportunity Internati-
onal den Erfolg ab, indem sie zum Beispiel Kontakte zwischen Klien-
ten und Unternehmen fördert. So geben beispielsweise ghanaische
Sorghum-Bauern ihre Erträge zu festen Preisen an die heimische
Guinness-Brauerei ab, die daraus ein beliebtes Malzbier braut. Auch
Opportunity International setzt auf Kreditnehmergruppen zur ge-
genseitigen Absicherung. Besonders wichtig aber sind die Kreditbe-
rater aus lokalen Partnerorganisationen. Sie sind „Banker, Manager,
Unternehmensberater, Coach, Sozialarbeiter und Seelsorger in einer
Person“, so die Organisation. Oft sind es erfolgreiche Kreditnehmer,
die irgendwann die Rolle des Kreditberaters übernehmen.
Ann Kathrin Sost
«
Kleines Geld,
große Wirkung
Pich Thy aus Kambod-
scha (oben links mit
ihrer Familie) stellt
Tiere aus Ton her und
verkauft sie. Für ihre
Werkstatt erhielt sie
einen Mikrokredit von
World Vision
Fotos: World Vision
22 | Vor Ort
1...,12,13,14,15,16,17,18,19,20,21 23,24,25,26,27,28,29,30,31,32,...36
Powered by FlippingBook