spenden magazin 2014 - page 28

der befragten Stiftungen „grundsätzlich“ be-
reit, auch öffentlich über Fehler zu sprechen.
„Was heißt denn öffentlich?“, fragt Simone
Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe zu
Recht. „Auf Konferenzen und in Fachzir-
kel sprechen unsere Fachleute Probleme
offen an.“ Im Internet können Interessierte
zudem alle Projektauswertungen (Evalu-
ierungen) von externen Gutachtern unge-
kürzt abrufen. Sie enthalten das, was gut
oder schlecht gelaufen ist. Diese Berichte
haben allerdings den Nachteil, dass sie für
die breite Öffentlichkeit aufgrund der eng-
lischen Fachsprache eher schwer zu verste-
hen sind.
Wie viel Transparenz ist hilfreich?
Caritas international hat sich bislang be-
wusst für einen anderen Weg entschieden:
Die Projektevaluierungen bleiben intern.
Das katholische Hilfswerk sieht bei einer
geplanten Veröffentlichung die „latente Ge-
fahr, dass Schwachstellen nur noch verklau-
suliert angesprochen und Probleme schön-
geredet werden“, so Pressereferent Achim
Reinke. „Das Potenzial für Lernprozesse
und institutionelle Verbesserungen würde
sinken.“ Intern wird indes „intensiv disku-
tiert“. Befürchtet wird wohl auch, dass „sich
eine einzelne Hilfsorganisation durch Offen-
legung angreifbar macht und deren Fehler
unangemessen skandalisiert werden.“
Die Medienschelte ist vielleicht nicht ganz
von der Hand zu weisen. Für das Aachener
Hilfswerk Misereor ist sie aber kein Grund
zum Ausweichen. Im Gegenteil. Dorothee
Mack, Leiterin der Abteilung für Evaluie-
rung und Qualitätsmanagement, ist schon
seit Längerem um „Transparenz auch bei
weniger erfolgreichen Projekten“ bemüht.
Alle Evaluierungen sind in einer deutschen
Kurzfassung im Internet veröffentlicht.
Zudem gibt Misereor jährlich einen Evalu-
ierungsbericht heraus, mit dem die Orga-
nisation zur Fehlerkultur in der Entwick-
lungszusammenarbeit beitragen will. Darin
geht es um die erreichten Wirkungen der
Projekte sowie um zentrale Erkenntnisse
und Empfehlungen. Auch klare Worte wer-
den nicht gescheut. „Nur selten treffen die
Evaluierungsteams auf Projekte, in denen
alles klappt oder alles misslingt (…) Man-
che entsprechen den Erwartungen, andere
nicht. Und auch in der internen Organisati-
on klappt nicht alles wie am Schnürchen. Al-
les andere wäre ja auch kaum zu glauben.“
Vertrauen in die Lernbereitschaft
In einem Punkt allerdings bleibt Dorothee
Mack zurückhaltend. Die Namen ihrer
Partnerorganisationen vor Ort bleiben un-
genannt. Denn deren punktuelle Schwä-
chen könnten die „Entscheidung anderer
Geldgeber, ein
Projekt zu unter-
stützen, unzuläs-
sig beeinflussen“.
Das wäre ihrer Ansicht nach auch des-
wegen ungerecht, weil diese Schwächen
nicht selten ursächlich mit den staatlichen
Rahmenbedingungen zu tun haben. Mack
wünscht sich ein gesellschaftliches Klima,
in dem „Fehler und auch Scheitern normal
sind, weil es in aller Regel nicht den einen
Projektauswertungen sind für Außen-
stehende oft schwer zu verstehen
Fehler und Scheitern
sind normal, weil es in
aller Regel nicht den
einen richtigen Weg gibt
Fotos: corbis, getty images
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