spenden magazin 2014 - page 8

ls sich Joshua Hofert das erste Mal für das Kinderhilfs-
werk terre des hommes einsetzte, war er zwölf Jahre alt.
Heute ist der Münchner 18 Jahre alt, terre des hommes
ist er treu geblieben – in seinem Alter also eine halbe
Ewigkeit. Mittlerweile ist er Delegierter des internationalen Jugend-
netzwerks, reiste kürzlich nach Myanmar – und ja, lacht Joshua,
auch seine Freundin habe er bei terre des hommes kennengelernt.
„Wir sind halt alle ein ähnlicher Schlag von Leuten da“, erklärt er.
Joshua fühlt sich aufgehoben in „seiner“ Organisation. Jugendliche
wie er sind sozusagen die Wunschkinder vieler Organisationen, Ver-
eine und Verbände. Denn Nachwuchs für soziale und gemeinnützige
Vorhaben zu erreichen und zu halten, könnte in Zukunft nicht nur
aufgrund des demografischen Wandels immer schwieriger werden.
Jugendliche haben weniger Zeit
Noch sind Jugendliche und junge Erwachsene häufig engagiert: Der
letzte Freiwilligensurvey im Auftrag der Bundesregierung ergab,
dass sich mehr als ein Drittel der Teenager und „Twens“ für Ver-
bände, Initiativen und anderes einsetzen. Die Zahlen sind von 2009,
für 2014 soll es neue geben. Sie könnten ernüchternd sein, denn der
Trend zum Engagement bei jungen Leuten geht zurück, wie eine
Sonderauswertung des Surveys 2011 ergab. Es geht zwar bisher nur
um – je nach Altersgruppe – ein bis zwei Prozentpunkte. Aber die
Zahlen stehen im Gegensatz
zur Restbevölkerung, die
sich zunehmend für sozi-
ale Projekte und Organi-
sationen stark macht.
Grund für den Rückgang
ist offenbar Zeitmangel:
Ganztagsschulen und
komprimierte Ausbil-
dungszeiten lassen
zunehmend weniger
Raum. Überhaupt
sind Jugendliche
als Zielgruppe be-
sonders schwer zu
halten, denn na-
A
Finden und binden –
was bewegt Jugendliche, sich zu engagieren?
Noch können Hilfswerke und Freiwilligenverbände über mangelndes Engagement von Jugendli-
chen nicht klagen. Doch es ist wichtig für die Organisationen, sich den wandelnden Interessen
der Facebook-Generation anzupassen
»
Helfer bei der Freiwilligen Feuerwehr – eine von
vielen Möglichkeiten, sich zu engagieren
türlich wechseln in keiner anderen Altersgruppe so schnell
die Interessen und Tagesabläufe.
Organisationen wie terre des hommes haben sich darauf ein-
gestellt: Das Kinderhilfswerk biete ein stufenweises Engage-
ment „je nach Bedürfnis und Interesse“, erklärt Andreas Ris-
ter, der für das Kinder- und Jugendprogramm sowie Globales
Lernen zuständig ist. Unter den Angeboten findet sich zum
Beispiel die öffentlichkeitswirksame und spendenträchtige
Aktion „Straßenkind für einen Tag“, bei der Schülerinnen
und Schüler symbolisch Arbeiten von Straßenkindern verrichten.
Dabei werden neue Interessenten gewonnen und an die Themen der
Organisation herangeführt. Wer mehr und länger dabei sein will, en-
gagiert sich in den sogenannten Kinderrechtsteams, in Jugendarbeits-
gruppen oder gar – wie Joshua – im internationalen Jugendnetzwerk.
Ausgangspunkt Schule
Als besonders wichtige Grundlage sieht Rister die UN-Kinderrechts-
konvention, die Teilhabe und Mitbestimmung von Kindern garantie-
ren soll. Sie ist einerseits Voraussetzung, andererseits auch Anlass
für das Engagement. Denn nur wenn Kinder und Jugendliche ernst
genommen und gehört werden, wollen sie sich auch einsetzen.
Eine zentrale Institution, um Kinder und Jugendliche zu erreichen,
ist natürlich die Schule. Die EU-finanzierte Initiative „Food Right
Now“ geht zum Beispiel diesen Weg. In Deutschland wird sie von der
Deutschen Welthungerhilfe getragen. Sie stellt Bildungsmaterialien
für 12- bis 24-Jährige zur Verfügung, natürlich auch für außerschu-
lische Projekte. Ziel ist es, das Bewusstsein für das Thema des welt-
weiten Hungers zu schärfen und zu Aktionen zu mobilisieren. Dabei
setzt die Welthungerhilfe auf eine kritische Auseinandersetzung
mit Themen der Entwicklung und internationalen Zusammenarbeit.
Es könnte Vertrauen schaffen, dass die Welthungerhilfe hier nicht
allein auf eigene Aktionen verweist. In einem Magazin zum Thema
werden unter „Start the Revolution“ eine ganze Reihe von Mög-
Nur wenn Kinder und Jugendliche
ernst genommen werden, wollen sie
sich auch engagieren
8 | Engagement
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