spenden magazin 2015 - page 15

Bildung ermöglicht
Menschen, sich selbst
zu helfen und aufrechter
durchs Leben zu gehen.
brot-fuer-die-welt.de/
bildung
Würdesäule.
Fotos: iStockphoto
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um 1850. Doch hierfür reichen die bis-
her zugesagten Maßnahmen der Länder
nicht aus – nach wissenschaftlichen Be-
rechnungen laufen diese eher auf eine
Drei-Grad-Erwärmung hinaus. „Die Si-
tuation wird noch dadurch verschärft,
dass einige Entwicklungsländer sagen,
eine Begrenzung auf zwei Grad reicht
nicht aus – das Ziel muss 1,5 Grad be-
tragen“, erläutert Kühn.
Wer kommt für Klimaschäden auf?
Ein weiterer Streitpunkt ist das Stich-
wort Klimagerechtigkeit – nämlich die
Entschädigung durch die Industriestaa-
ten für die bereits jetzt entstandenen
Klimaschäden in Entwicklungsländern.
Hilfsorganisationen kritisieren, dass
insbesondere dieser Punkt in den bis-
herigen Verhandlungen und Vertrags-
entwürfen zu kurz komme – so auch
bei der letzten Vorkonferenz zum Kli-
magipfel Ende Oktober in Bonn. Gerade
im Hinblick auf die Bekämpfung von
Fluchtursachen müsse es sich die Euro-
päische Union zu eigen machen, die An-
erkennung der Interessen der ärmsten
Länder in Paris durchzusetzen – was
nach Ansicht von Brot für die Welt bisher
nicht geschehen ist: „Durch das passive
Verhalten der EU wurde die wichtige
Chance vertan, den ärmsten und verletz-
lichsten Staaten ein Signal der Solidari-
tät zu geben. Gerade für diese Staaten
ist es ein zentrales Anliegen, dass der
Umgang mit Klimaschäden auch im Pa-
riser Klimaabkommen verankert wird“,
erklärt Sabine Minninger, Referentin
für Klimapolitik. Zu den verletzlichsten
Staaten gehören demnach die Inselstaa-
ten, die durch den Anstieg der Meeres-
spiegel in ihrer Existenz bedroht sind,
und die Gruppe der ärmsten Länder der
Erde wie Tschad oder Bangladesch, in de-
nen sich Hunger und Armut durch den
Klimawandel massiv verschärfen.
Gemeinsam statt gegeneinander
Für einen erfolgreichen Abschluss in Pa-
ris sieht Thomas Hirsch, Entwicklungs-
politischer Beauftragter von Brot für
die Welt, eine wichtige Voraussetzung
darin, dass Klimapolitik nicht mehr
weiterhin als Konflikt zwischen Nord
und Süd verstanden wird. „Kein Land
hat das Recht, eigene Untätigkeit mit
dem klimapolitischen Versagen eines
anderen Landes zu entschuldigen. Statt-
dessen müssen sich die ambitionierten
Länder aus Nord und Süd zusammen-
tun, um gemeinsam voranzuschreiten.“
Sogenannte Leuchtturmprojekte, die als
Vorbild dienen,
seien hierfür
n o t w e n d i g .
Laut Welthun-
gerhilfe müssen zudem möglichst viele
Staaten beim Umbau ihrer Energiesys-
teme unterstützt, bezahlbare und sozi-
alverträgliche Kohleausstiegsstrategien
umgesetzt und eine nachhaltige Land-
wirtschaft gefördert werden.
„Klar ist aber auch, dass alle Klima-
schutzmaßnahmen nur dann hinrei-
chend greifen, wenn wir auch unser
einseitig auf Wachstum ausgerichtetes
Wohlstandsmodell infrage stellen“, be-
tont Kühn. Dass Entwicklung und Kli-
maschutz funktionieren können, zeigt
beispielsweise ein Misereor-Projekt:
Im Waldgarten-Projekt in Haiti lernen
Kleinbauern in Kursen, wie ökologische
Forst- und Landwirtschaft funktioniert,
forsten ihren Wald auf, machen ausge-
laugte Böden wieder fruchtbar – und
schaffen sich zugleich eine Ernährungs-
grundlage.
Patricia Thivissen
Beim Klimaschutz müssen Länder
aus Nord und Süd zusammenarbeiten
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