spenden magazin 2016 - page 23

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Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz
knapp 15 Millionen Euro allein an Spenden und Nachlässen einge-
nommen. Das bedeutete ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr,
wenngleich viele Menschen aufgrund weltweiter Katastrophen ver-
stärkt für humanitäre Hilfsorganisationen gespendet haben – zu
denen sich die Stiftung Denkmalschutz aber ausdrücklich nicht
als Konkurrenz versteht, wie Masthoff betont. Das Bewusstsein
für den Erhalt von Kulturdenkmälern scheint dabei besonders bei
älteren Menschen ausgeprägt zu sein: „Unsere Spender sind in der
Regel älter als 50 Jahre, wertebewusst und im Leben angekommen.
Der große Erfolg unserer Jugendprojekte – wie zum Beispiel der
„Jugendbauhütten“ oder des Schulprogramms „denkmal aktiv“ –
zeigen aber auch, wie sehr sich jüngere Generationen für das Thema
Denkmalschutz begeistern.“
Persönlicher Bezug der Spender
Doch was ist das Besondere am Spenden für den Denkmalschutz?
„Ein Vorteil ist mit Sicherheit die Greifbarkeit der Spende“, erklärt
die Fundraising-Expertin Dr. Marita Haibach. „Beim Denkmal-
schutz weiß man, wo die Spende hingeht. Man kann das Denkmal
anschauen und anfassen, das ist mit Sicherheit ein wichtiger Faktor
für viele Spender.“ Zwar könne allein die Menge der Denkmäler in
Deutschland bei Kritikern auch ein Nachteil sein – nach dem Motto
„Brauchen wir das überhaupt?“. „Andererseits ist durch die ausge-
prägte Denkmalpflege auch ein gewisses kulturelles Bewusstsein
bei uns verankert“, glaubt Haibach. In den USA, wo sie selbst einige
Jahre gelebt hat, funktioniere Denkmalschutz beispielsweise auch
über Nationalstolz und Identifikation, etwa wenn Geburtshäuser
von historischen Persönlichkeiten wie Präsidenten oder Gründer-
väter der Vereinigen Staaten instand gehalten werden. Sie sieht
den Denkmalschutz generell als attraktives Fundraising-Thema:
„Heimat, Werte, Kultur – das sind Themen, die Emotionen trans-
portieren, welche wiederumwesentlich für die Spendenbereitschaft
sind. Wichtig ist aber auch die sachliche Frage der Nutzung von
Denkmälern, gerade, um kritischen Stimmen zu begegnen.“
Wiederaufbau Berliner Schloss
Mit Kritikern umgehen musste in der Vergangenheit auch Wilhelm
von Boddien. Er ist Geschäftsführer des Fördervereins Berliner
Schloss e. V., eines spendengetragenen Vereins mit DZI Spenden-
Siegel, der sich für den Wiederaufbau des historischen Stadtschlos-
ses im Herzen Berlins einsetzt. Ein Großprojekt, das von den Berli-
nern nicht nur positiv aufgenommen wurde. „Mittlerweile hat sich
die Bevölkerung aber damit angefreundet: Es gibt einen rasanten
Zuwachs an Spenden aus Berlin“, betont von Boddien. Durch Spen-
den finanziert wird dabei nur die Rekonstruktion der historischen
barocken Schlossfassade, der eigentliche Bau wird aus Mitteln des
Bundeshaushalts und des Landes Berlin getragen. 105 Millionen
Euro Spenden benötigte der Förderverein dafür insgesamt: „Das ist
natürlich sehr viel Geld, allerdings haben wir bereits 63 Millionen
Euro gesammelt“, sagt von Boddien. Er ist zuversichtlich, dass die
restlichen 42 Millionen auch noch eingenommen werden – allein,
weil durch den Baufortschritt die Bereitschaft zu spenden gestiegen
sei: „Die Menschen können sich jetzt etwas darunter vorstellen, das
Schloss und den Baufortschritt Tag für Tag anschauen. Und es gab
bei uns keinen Skandal, sondern vor allem eine lange und vernünf-
tige Planung, sodass alles fristgerecht seinen Gang geht.“
Er geht daher auch davon aus, dass im Frühjahr 2017 der Fassaden-
bau abgeschlossen sein wird, „Ende 2017 dürfte dann alles fertig
sein“. Und das Ergebnis, da ist er sich sicher, wird beeindrucken:
„Man kann bereits jetzt erkennen, dass andere Bauwerke wie der
Berliner Dom, das Zeughaus oder der Bau, in dem heute das Alte
Museum ist, vom alten Stadtschloss aus komponiert wurden. Das
Schloss schließt eine der letzten Baulücken in der Mitte Berlins
und rückt auch die Umgebung wieder ins rechte Licht – die Stadt
bekommt ihre alte Bedeutung über die Architektur wieder.“
Patricia Thivissen
Denkmäler sind unwiederbringlich
und verkörpern Geschichte, Heimat
und Identität
Rund 3.500 Jugendliche haben bislang ein Freiwilliges Soziales
Jahr in der Denkmalpflege in den Jugendbauhütten absolviert
Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses zieht nach anfänglicher
Skepsis viele Spendenwillge an, soll Ende 2017 abgeschlossen sein
Fotos: Deutsche Stiftung Denkmalschutz / Wegner, Roland Rossner; Simulation Berliner Schloss: Förderverein Berliner Schloss / eldaco, Berlin
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