Stolperstein in Gedenken an Siddy Wronsky

24. Oktober 2019

Die Pionierin der Sozialen Arbeit wurde 1933 aus Deutschland vertrieben

Gestern wurde in Berlin-Wilmersdorf ein Stolperstein für die renommierte Sozialreformerin Siddy Wronsky (1883-1947) verlegt. Das Gedenken fand in der Barstraße 23 statt, Wronskys letzte Berliner Wohnadresse. Bei der Verlegung waren zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und der Praxis der Sozialen Arbeit anwesend. Redebeiträge zu Siddy Wronskys Leben, Wirken und ihrer Flucht nach Palästina wurden von Repräsentant*innen der Stolpersteininitiative und des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) gehalten. Yehudit Avnir von der Hebrew University of Jerusalem war aus Israel angereist und trug ein Gedicht aus einem erst kürzlich entdeckten Romanmanuskript von Siddy Wronsky vor. Die Stol- persteinverlegung war im Rahmen eines Projekts zur Erforschung der Geschichte der Sozialen Arbeit in Deutschland und Israel angeregt worden, das unter anderem am Alice Salomon Archiv, Berlin, angesiedelt ist.

„Siddy Wronsky ist eine hoch engagierte, durchsetzungsstarke Pionierin der Sozialen Arbeit gewesen“, sagte Ingrid Stahmer, Vorsitzende des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, bei der Verlegung des Stolpersteins. Das DZI ist aus dem von Siddy Wronsky von 1922 bis 1933 geleiteten Archiv der Wohlfahrtspflege hervorgegangen. Siddy Wronsky habe zusammen mit Alice Salomon, Getrud Bäumer, Helene Lange und anderen die Grundlagen für Professionalität in der Ausbildung, Berufspraxis und Wissenschaft der Sozialen Arbeit in Deutschland und international gelegt. „Heu te würde sie wohl ebenso engagiert dafür kämpfen, dass die in der Sozialarbeit Tätigen endlich auch ihrer Leistung und Kompetenz entsprechend gerecht bezahlt werden“, betonte Ingrid Stahmer.

Siddy Wronsky verlor unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 alle Ämter und Funktionen und wurde aus ihrer Leitungsposition beim Archiv der Wohlfahrtspflege entlassen. Nach ihrer Flucht aus Deutschland 1933/34 baute sie in Palästina zusammen mit anderen Emigrantinnen, die sie zum Teil aus Deutschland und der Berliner Sozialen Arbeit kannte, ein System Sozialer Arbeit auf. Dazu gehörten soziale Einrichtungen, Ausbildungslehrgänge, eine Bibliothek, eine nach dem Vorbild der Sozialen Frauenschule von Alice Salomon in Jerusalem eröffnete erste Ausbildungsstätte für Sozialarbeiterinnen in Palästina und nicht zuletzt die Gründung des Verbandes palästinensischer Fürsorgerinnen. Siddy Wronsky ist am 8. Dezember 1947 im Alter von 64 Jahren in Jerusalem gestorben, wenige Monate vor der Gründung des von ihr ersehnten Staates Israel. Der israelische Staat setzte ihr mit einem Grabstein ein bleibendes Denkmal, dessen
Inschrift sie als „Gründerin der Sozialarbeit in Erez Israel“ ehrt.

Pressekontakt:
Burkhard Wilke, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter
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Pressemitteilung vom 24.10.2019 (PDF)