Soziale Arbeit Doppelheft 9/10.2020

Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete


S. 322-323

Editorial

S. 323

DZI Kolumne

Miteinander
Der späte August ist für das Team des DZI die Zeit für den jährlichen Betriebsausflug. Auf schönes Wetter war auch in diesem Jahr wieder Verlass. Vorbereitet wird reihum: Jetzt hatten die Kolleg*innen des Arbeitsbereichs Soziale Literatur die Planung übernommen. Ende August, das heißt im Jahr 2020 aber auch: Seit inzwischen fünf Monaten arbeiten die meisten aus dem Team teilweise oder sogar ganz von zuhause aus. Die Pandemie gebietet weiter Vorsicht und Rücksicht. Was bedeutete das für unseren diesjährigen Ausflug?

Das Team Soziale Literatur hatte eine so einfache wie überzeugende Idee – wir besuchen und „besichtigen“ uns diesmal einfach selbst: Gartenfest auf dem schönen Grundstück des DZI, und vorher ein gemeinsamer, geführter Stadtspaziergang, bei dem wir noch unbekannte Seiten unserer Nachbarschaft entdecken konnten.

Wer insgeheim vielleicht gedacht hatte, dass es ein eher kurzer Tag werden würde, war überrascht: Vom Morgen bis in den frühen Abend hinein hielt es uns beisammen. In der frischen Luft – die großzügig gestellten Tische und Bierbänke erlaubten sicheren Abstand – genossen wir alle, seit Monaten endlich einmal wieder das ganze Team zu sehen, zu sprechen, Zeit miteinander zu verbringen. Und die Themen gingen nicht aus – obwohl auch sonst mit Telefon- und Video-Konferenzen alle Kanäle für den Austausch offen sind.

So hört man es aktuell auch von anderen: Die derzeitigen Lockerungen der strikten Home-Office-Zeit werden begierig angenommen. Der direkte Austausch, das Miteinander im Büro ist unersetzlich. Bindung und Beziehung im Team – es war ein schöner Sommertag – toller Betriebsausflug!

Burkhard Wilke
wilke@dzi.de

S. 324-325

Bindung und Beziehung in der Sozialen Arbeit

Einführende Bemerkungen

Heinz Cornel; Silke Birgitta Gahleitner; Berlin; Thomas Köhler-Saretzki, Köln; Katja Nowacki, Dortmund; Isabella Sarto-Jackson, Klosterneuburg (Österreich); Roland Schleiffer, Köln; Martin Schröder, Basel (Schweiz); Gerhard J. Suess, Hamburg

S. 326-333

Soziale Arbeit als Bindungs- und Beziehungsprofession

Ein Überblick

Silke Birgitta Gahleitner, Berlin

Schlagworte: Beziehungsarbeit - Bindungstheorie - Vertrauen - Anerkennung - Milieu - Professionalisierung

Zusammenfassung
Das Erleben zwischenmenschlicher Begegnungen, Beziehungen und Bindungen wird als zentraler Wirkfaktor helfender Interventionen nicht mehr angezweifelt. Dennoch ist die Frage, wie professionelle Beziehungen gestaltet werden sollten und welche Wissensbestände und Kompetenzen darin bedeutsam sind, bis heute nicht geklärt. Der Artikel stellt entlang theoretischer, empirisch basierter und praxisbezogener Überlegungen einen Bezugsrahmen für Soziale Arbeit als Bindungs- und Beziehungsprofession zur Diskussion.
Professorin Dr. phil. habil. Silke Birgitta Gahleitner lehrt Klinische Psychologie und Sozialarbeit im Arbeitsbereich Psychosoziale Diagnostik und Intervention der Alice Salomon Hochschule Berlin. E-Mail: sb@gahleitner.net
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S. 333-339

Neurobiologische Grundlagen sozialer Bindung

Isabella Sarto-Jackson, Klosterneuburg (Österreich)

Schlagworte: Neurowissenschaften - Gehirn - frühkindlich - Bindung - Vulnerabilität

Zusammenfassung
Die Gehirnentwicklung eines Säuglings ist bei der Geburt noch nicht abgeschlossen. Sie erfolgt postnatal durch neuroplastische Prozesse, die das frühkindliche Gehirn besonders lernfähig machen und soziale Bindung forcieren. Neuroplastizität erhöht aber auch die Vulnerabilität des Gehirns in Stresssituationen, ausgelöst durch negative Umwelteinflüsse, Vernachlässigung und Misshandlung. Toxischer Stress kann in weiterer Folge zu kognitiven Schäden und langfristig verstärkten Angstreaktionen führen.
Dr. phil. Isabella Sarto-Jackson ist Geschäftsführerin des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung. E-Mail: isabella.sarto-jackson@kli.ac.at
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S. 340-350

Delinquenz, Beziehungs- und Bindungsstörungen

Ihre Bedeutung für lang anhaltende kriminelle Karrieren und Resozialisierungsangebote

Heinz Cornel, Berlin

Schlagworte: Resozialisierung - Kriminalität - Soziotherapie - Bindung - Beziehung - Psychoanalyse

Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert die Bedeutung von Beziehungs- und Bindungsstörungen für Delinquenz und Resozialisierung. Es wird das Verhältnis der Bindungstheorie zu psychoanalytischen Entwicklungstheorien in seiner Relevanz für Störungen nach emotionalen Vernachlässigungen und Traumata und späterer, lang anhaltender Delinquenz erörtert. Darauf aufbauend wird auf die Konzeption der psychoanalytischen Soziotherapie mit Delinquenten eingegangen, die eine korrigierende Beziehungserfahrung in einem therapeutischen Milieu für erwachsene Männer mit langen Vorstrafen ermöglichen soll.
Professor Dr. Heinz Cornel ist Professor für Jugendrecht, Strafrecht und Kriminologie an der Alice Salomon Hochschule Berlin. E-Mail: cornel@ash-berlin.eu
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S. 351-356

Bindung (er)leben in Kita und Schule

Thomas Köhler-Saretzki, Köln

Schlagworte: Kindertageseinrichtung - Schule - Bindung - Kind-Beziehung - Erfahrung - Professionalisierung

Zusammenfassung
Der Artikel gibt einen Einblick in Bindungs- und Explorationsverhalten bei Kindern in den Institutionen Kindertagesstätte und Grundschule. Die Frage, wie Bindung in Kita und Schule im Vergleich zur Familie erlebt und gelebt wird und wie sie bei Kindern unterschiedlichen Alters und Bindungsvorerfahrungen gelingen kann, wird anhand ausgewählter pädagogischer Interventionsmöglichkeiten des oder der Erzieher*in beziehungsweise Lehrer*in beleuchtet.
Dr. Thomas Köhler-Saretzki ist Diplom-Psychologe und systemischer Familientherapeut. Er leitet die Familienberatungsstelle der Christlichen Sozialhilfe Köln e.V. E-Mail: thomas.koehler@csh-koeln.de
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S. 357-363

Bindungsphänomene im Pflegekinderwesen

Katja Nowacki, Dortmund

Schlagworte: Pflegeeltern - Hilfen zur Erziehung - Kind-Beziehung - Bindung - Hilfeplan

Zusammenfassung
Kinder, die aufgrund schwieriger Vorerfahrungen in eine Pflegefamilie vermittelt werden, entwickeln meist innerhalb kurzer Zeit organisierte Bindungsmuster und zeigen eine Abnahme von Bindungsstörungssymptomen. Dies hängt insbesondere mit der Bindungsrepräsentation und einem feinfühligen, unterstützenden Verhalten der Pflegeeltern zusammen. Das Angebot einer spezifischen Beziehung ist im Rahmen der Pflegekinderhilfe zentral und muss innerhalb der Hilfeplanung berücksichtigt werden.
Professorin Dr. Katja Nowacki lehrt klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Fachhochschule Dortmund. Sie forscht zur Bedeutung von Bindung und Beziehung im Bereich der Hilfen zur Erziehung. E-Mail: katja.nowacki@fhdortmund.de
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S. 363-367

Bindungsdynamik in der Beratung

Das Aufeinandertreffen zweier Bindungsmodelle in der beraterischen Beziehung

Gerhard J. Suess, Hamburg

Schlagworte: Bindungstheorie - Beratung - Therapie - Experte - Klient-Beziehung

Zusammenfassung
Die Bindungstheorie führt in ihrer Anwendung zu beziehungsbasierten Interventionen mit einer Betonung der Person der Fachkräfte und der „therapeutischen“ Beziehung. Im Beitrag werden dafür die Grundlagen bei Bowlby sowie deren empirische Überprüfung dargestellt. Die Bindungstheorie wird als Theorie für das Erkennen, Ordnen und Anbieten wirksamer Hilfen in der Jugend- und Gesundheitshilfe gewürdigt. Um die Dynamik in der therapeutischen und beraterischen Beziehung zu verstehen und zu nutzen, ist eine Reflexion in Supervision oder „reflective teams“ notwendig.
Professor Dr. phil. Gerhard J. Suess ist Psychologischer Psychotherapeut und lehrt an der HAW Hamburg. E-Mail: info@gerhard-suess.de
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S. 368-378

Bindung verstehen und Beziehung gestalten in der (stationären) Kinder- und Jugendhilfe

Martin Schröder, Basel (Schweiz)

Schlagworte: Hilfen zur Erziehung Kind-Beziehung - Bindungsrepräsentation - Beziehungsgestaltung - Selbstreflexion

Zusammenfassung
Der Beitrag nimmt zunächst eine historische Vergegenwärtigung zur Relevanz der Beziehungsgestaltung vor. Anschließend werden die Grundlagen der Bindungstheorie vorgestellt, die wichtige Impulse zur Bindungssensibilisierung für eine interaktionistische, subjekttheoretische Perspektive setzt. Hieraus lässt sich einerseits eine Verstehensperspektive für Klient*innen, aber auch für die Fachpersonen selbst zur Reflexion entwickeln. Andererseits resultieren daraus Implikationen für den (sozial-)pädagogischen Alltag wie auch für die Aus- und Weiterbildung Sozialer Arbeit.
Martin Schröder, M.A. Educational Sciences, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und beschäftigt sich mit Bindung, Traum, Resilienz und Teilhabe. E-Mail: martin.schroeder@upk.ch
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S. 378-385

Beziehungsgestaltung aus Sicht sozialarbeiterischer Fachkräfte

Eine empirische Annäherung

Wolfgang Klug; Daniel Niebauer; Georg Mirus, Eichstätt; Beatrice Dittelbach, Rosenheim; Franziska Huber, München

Schlagworte: Beziehungsgestaltung - Soziale Arbeit - qualitative Forschung - Professionalisierung - Handlungskompetenz

Zusammenfassung
Der Beziehung zwischen professioneller Fachkraft und Klient*in wird für das Gelingen Sozialer Arbeit ein hoher Stellenwert beigemessen. Dabei bleibt die Auseinandersetzung hinsichtlich der konkreten Gestaltung dieser Beziehung häufig vage. Vor diesem Hintergrund wurden 27 Interviews mit sozialarbeiterischen Fachkräften geführt, um deren Verständnis und Umsetzung von Beziehungsgestaltung näher zu beleuchten. Die zentralen Erkenntnisse der Studie werden im vorliegenden Beitrag dargestellt und diskutiert.
Professor Dr. Wolfgang Klug, Dipl.-Sozialpädagoge, M.A., ist Professor für Methoden der Sozialen Arbeit an der Katholischen Universität Eichstätt- Ingolstadt. E-Mail: wolfgang.klug@ku.de
Professor Dr. Daniel Niebauer, Soziale Arbeit (M.A.), ist Professor für Pädagogik (in Vertretung) an der Fakultät für Soziale Arbeit der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt. E-Mail: dniebauer@ku.de
Georg Mirus, Dipl.-Sozialpädagoge, Dipl.-Psychologe, ist als Psychotherapeut sowie Lehrbeauftragter an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt tätig. E-Mail: georg.mirus@gmx.de
Beatrice Dittelbach, Soziale Arbeit (M.A.), ist in der Suchtberatung bei der Diakonie Rosenheim tätig. E-Mail: beatrice.dittelbach@web.de
Franziska Huber, Soziale Arbeit (M.A.), befindet sich in Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin an der CIP Akademie München. E-Mail: franzihuber@web.de
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S. 386-390

Rundschau

S. 389

Tagungskalender

S. 391-395

Bibliografie

S. 396-400

Verlagsbesprechungen

S. 400

Impressum

Weitere Informationen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (Hrsg.)
Berlin, 2020, 80 Seiten
ISBN: 0490-1606

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