Soziale Arbeit 8.2019

Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete


S. 281

Editorial

S. 282-288

Agency und Vulnerabilität

Ein relationaler Zugang zu Lebenswelten geflüchteter Menschen

Caroline Schmitt, Trier

Schlagworte: Flucht - Migration - Handlungskompetenz - Vulnerabilität - soziale Ungleichheit

Zusammenfassung
Der Beitrag führt die Debatten um Agency und Vulnerabilität zusammen. Eine relationale Perspektive auf Agency und Vulnerabilität reflektiert, wie Handeln in sozialen Prozessen und Beziehungen ermöglicht oder verhindert wird, und betrachtet Handlungsfähigkeit sowie Vulnerabilität als zwei Seiten derselben Medaille. Für die Fluchtmigrationsforschung sowie Praxis entfaltet ein „Agency- Vulnerabilitäts-Nexus“ das Potenzial, stereotype Sichtweisen auf Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung zu durchbrechen und den Blick auf Prozesse sozialer Ungleichheit in Verzahnung mit Ressourcen von Akteurinnen und Akteuren zu richten.
Dr. Caroline Schmitt, Dipl.-Päd., forscht und lehrt als Vertretungsprofessorin in der Abteilung Sozialpädagogik I im Fach Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Trier. E-Mail: schmittc@uni-trier.de
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S. 283

DZI Kolumne

Teilen
Ist es nicht wunderbar? Das „Teilen“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit! In den Großstädten teilen wir uns Autos, Elektroroller und Fahrräder. Während des Urlaubs überlassen wir unsere Wohnungen fremden Besuchern und üben uns selbst andernorts im Couchsurfing. Portale wie nebenan.de helfen uns, die Nachbarn besser kennenzulernen, Bohrmaschinen, Leitern und anderes Nützliches auszuleihen. Egoismus war gestern – Nachhaltigkeit und Gemeinsinn prägen das Heute!

Schön wär’s – tatsächlich aber sind die Widersprüche und neuen Egoismen der „Sharing Economy“ in den Großstädten inzwischen unübersehbar: Wohnhäuser in den Innenstädten, die nur noch aus öden Ferienwohnungen bestehen, gordische Knoten herumliegender Leihfahrräder, auf Fuß- und Radwegen oder Straßen marodierende E-Roller. Während jedes Café seine Tische auf den Gehwegen genehmigen lassen und mit kommunalen Gebühren bezahlen muss, dürfen die Sharing-Dienste unseren öffentlichen Raum bedenken- und kostenlos für ihre kommerziellen Angebote in Beschlag nehmen.

Diese negativen Auswüchse, die wirksamer staatlich reguliert werden müssen, verstellen den Blick darauf, dass ein Teil des neuen Teilens tatsächlich nachhaltig und im besten Sinne gemeinnützig ist. Angebote wie nebenan.de brechen Isolationen auf, bringen Nachbarn zusammen und Gemeinsamkeiten ans Licht. Es ist spannend, in der neuen Lebenshaltung des Teilens die Spreu vom Weizen zu trennen und die „Perlen“ zu entdecken, die unserem Zusammenleben wirklich dienlich sind.

Burkhard Wilke
wilke@dzi.de

S. 289-295

Biografisch-narrative Konstruktionen von Vulnerabilität und Agency im Fluchtkontext

Sina Motzek-Öz, Kassel

Schlagworte: Soziale Arbeit - Flucht - Risikofaktor - Empowerment - Partizipation

Zusammenfassung
Der Artikel zeigt, wie Vulnerabilität und Handlungsmacht im Fluchtkontext mithilfe der biografischen Analyse von subjektiven Vorstellungen von Agency besser verstanden werden können. Sie leistet einen Beitrag zu Empowerment-Ansätzen in der Sozialen Arbeit. Exemplarisch wird dazu die Biografie einer in den 1990er-Jahren nach Deutschland geflüchteten Frau herangezogen.
Dr. Sina Motzek-Öz ist Sozialarbeiterin (B.A.) und Sozialwissenschaftlerin (M.A.). Sie ist als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Sozialwesen der Universität Kassel tätig. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Biografie, Familie und Gesundheit im Kontext von Migration und Flucht sowie diversitätsbewusste Ansätze Sozialer Arbeit. E-Mail: motzek@unikassel.de
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S. 295-301

Agency-Figurationen in der Jugendhilfe

Professional Agency in Arbeitsbeziehungen zwischen Fachkräften und jungen Geflüchteten

Jan Wienforth, München

Schlagworte: Soziale Arbeit - Professionalisierung - Flucht - Migration - Jugendhilfe

Zusammenfassung
Der Beitrag präsentiert Ergebnisse einer empirischen Studie, in der durch narrative Leitfadeninterviews und das Auswertungsverfahren der Dokumentarischen Methode Handlungsorientierungen von Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen in den stationären Erziehungshilfen mit Geflüchteten rekonstruiert werden. Implizite Wissensbestände von Fachkräften zu ihrer Handlungsfähigkeit, der Handlungsfähigkeit ihrer Adressatinnen und Adressaten und zur Ausgestaltung der Arbeitsbeziehung werden dargestellt und theoretisiert.
Jan Wienforth, Dipl.-Sozialpädagoge (FH), M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule München. E-Mail: jan.wienforth@hm.edu
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S. 302-308

Europa retten?

Agency in der Migrationsgesellschaft

Marc Hill, Innsbruck

Schlagworte: Migration - Flucht - Widerstand - Vulnerabilität - Bildung

Zusammenfassung
In diesem Artikel wird der hegemoniale Fluchtdiskurs mit den Positionen, Anliegen und Erfahrungen von geflüchteten Menschen in Beziehung gesetzt. Insbesondere gelangen dabei marginalisierte Wissensarten, unter anderem die Perspektiven von Geflüchteten, ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ausgangspunkt des Beitrags ist die Frage, auf welche Art Geflüchtete im europäischen Fluchtdiskurs an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und als handlungsunfähig repräsentiert werden. Im Sinne eines Gegenentwurfs werden sodann subjektzentrierte Agency-Ideen der Sozialen Arbeit in den Mittelpunkt gerückt und vor dem Hintergrund einer Vulnerabilitätskritik diskutiert. Hierzu wird eine öffentliche Diskussionsrunde auf der „Wiesbaden Biennale 2018” zum Thema „Europa retten? Oder soll man es lassen?“ als ethnografisches Fallbeispiel vorgestellt.
Dr. phil. Marc Hill ist Assistenzprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft, Lehr- und Forschungsbereich „Migration und Bildung“, der Fakultät für Bildungswissenschaften an der Universität Innsbruck. E-Mail: marc.hill@uibk.ac.at
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S. 308-312

Rundschau

S. 311

Tagungskalender

S. 313-316

Bibliographie

S. 317-320

Verlagsbesprechungen

S. 320

Impressum

Weitere Informationen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (Hrsg.)
Berlin, 2019, 40 Seiten
ISBN: 0490-1606

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