Soziale Arbeit 4.2020

Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete


S. 121

Editorial

S. 122-131

NS-Vergangenheit und (Dis-)Kontinuitäten

Zur Bedeutung der Aufklärung über die NS-Zeit für die Pädagogik

Z. Ece Kaya; Saskia Müller; Jonas Riepenhausen, Frankfurt am Main

Schlagworte: Nationalsozialismus - historische Entwicklung - Pädagogik - berufliches Selbstverständnis

Zusammenfassung
Gezeigt werden einige Kontinuitäten der NS-Ideologie in gegenwärtigen rechten Diskursen und die Notwendigkeit für Pädagog*innen, sich mit der NS-Zeit und dem damaligen Handeln ihrer eigenen Profession innerhalb des NS-Systems auseinanderzusetzen. Diese Dringlichkeit wächst noch angesichts des erstarkenden und immer öfter in physischer Gewalt eskalierenden Antisemitismus und Rassismus. Um ihnen in der Berufspraxis begegnen zu können, bedarf es unter anderem einer kritischen Reflexion der NS-Pädagogik.
Dr. Z. Ece Kaya ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und lehrt zur Pädagogik in der NS-Zeit und zur erziehungswissenschaftlichen Rassismus- und Antisemitismuskritik. E-Mail: kaya@em.uni-frankfurt.de
Dr. Saskia Müller hat über den NS-Lehrerbund promoviert und arbeitet und lehrt als Mitarbeiterin der Forschungsstelle NS-Pädagogik. E-Mail: sasmuell@stud.uni-frankfurt.de
Jonas Riepenhausen arbeitet in der Forschungsstelle NS-Pädagogik und promoviert über die spezifische Indoktrination von Mädchen durch den BDM. E-Mail: joriepen@stud.uni-frankfurt.de
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S. 123

DZI Kolumne

Systemrelevant
Seit Mitte März leben wir im Krisenmodus, ja im Grunde sogar in einem Schockzustand. Schulen, Kitas und Universitäten sind geschlossen, die meisten Geschäfte, Restaurants und Cafés ebenso. Ein Großteil der Berufstätigkeit ist ins Home Office verlegt. Es gelten weitgehende Kontakt- und Reiseverbote, selbst innerhalb Deutschlands. Und diese staatlich veranlasste Beschränkung unserer Freiheit ist fast noch moderat, im Vergleich zu Nachbarländern wie Italien, Frankreich oder Spanien.

Früher hieß es: Not lehrt beten. Geht nicht. Auch die Kirchen sind geschlossen – nicht systemrelevant. Was ist wirklich wichtig, was gibt Halt in einer solchen umfassenden Krise? Sarkasten würden sagen: offenbar Klopapier, Mehl und Hefe – hierzulande die Top Drei der Hamsterkäufe. Optimisten verweisen dagegen auf die vielen Zeichen der Solidarität, des Mitgefühls und der Wertschätzung: Nachbarschaftshilfe beim Einkaufen, Beifall vom Balkon für die Gesundheitsberufe.

Aber wie weit reicht diese Solidarität wirklich? Wer denkt heute noch an die unendlich bedrohlichere Lage der Geflüchteten auf Lesbos oder der Menschen im syrischen Bürgerkrieg, oder an das schon jetzt verzweifelte Hungern der Tagelöhner, die durch die weltweite Wirtschaftskrise arbeitslos geworden sind, in Indien und vielen weiteren asiatischen sowie südamerikanischen und afrikanischen Ländern. Wird unsere Solidarität in den nächsten Wochen und Monaten auch wieder über unsere eigenen Landesgrenzen hinaus reichen? Bestimmt nicht, wenn der Maßstab so tief liegt, wie vom SPIEGEL-Autor Markus Feldenkirchen Anfang April bei Radio Eins formuliert: „Hier ist Solidarität schon aus Eigeninteresse gefragt.“

Egoismus und schlechte Laune sind ansteckend; Gute Laune, Mitgefühl und Gemeinschaftssinn aber zum Glück ebenso. Die Corona-Krise ist für uns alle eine Bewährungsprobe, und für viele Menschen sogar eine Gefahr auf Leben und Tod. Diese Krise ist ein Marathon, wird uns noch viele Monate begleiten. Genug Zeit eigentlich, um zu erkennen, wer und was für unser Zusammenleben weltweit wirklich „systemrelevant“ ist – und sich für das richtige Handeln zu entscheiden.

Burkhard Wilke
wilke@dzi.de

S. 131-137

Akzeptieren?! Konfrontieren?!

Gesellschaftshistorische Einbettung professioneller Ansätze in der Sozialen Arbeit im Umgang mit extrem rechten Tendenzen

Michaela Köttig, Frankfurt am Main

Schlagworte: Rechtsextremismus - historische Entwicklung - Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt - akzeptierende Jugendarbeit

Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung über den Umgang mit extrem rechten Tendenzen ist in der Sozialen Arbeit seit den 1990er-Jahren verstärkt zu verzeichnen. In diesem Beitrag werden die Entstehungsgeschichte und die damit einhergehenden Problematiken von Konzepten und Modellfinanzierungen in der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund erstarkender extrem rechter Tendenzen aufgezeigt. Abschließend werden die gegenwärtige Situation und künftige Herausforderungen umrissen.
Professorin Dr. Michaela Köttig lehrt Kommunikation, Gesprächsführung und Konfliktbearbeitung am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences. E-Mail: koettig@fb4.fra-uas.de
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S. 138-145

Die Neue Rechte in der Sozialen Arbeit in NRW

Exemplarische Analysen zu Vorkommen und Einflussnahmen

Christoph Gille, Koblenz; Birgit Jagusch; Steffen Poetsch, Köln

Schlagworte: Neue Rechte - berufliches Selbstverständnis - Sozialarbeiter - Befragung

Zusammenfassung
Auf der Basis von Befragungen von Fachkräften untersucht die Studie von Gille und Jagusch (2019), ob und wenn ja, welche Einflussnahmen der Neuen Rechten auf die Soziale Arbeit in Nordrhein- Westfalen zu erkennen sind. Die Ergebnisse zeigen: Trotz einer hohen Sensibilität gegenüber menschen- und demokratiefeindlichen Positionen ist die Soziale Arbeit nicht frei von neurechten Denk- und Handlungsweisen. Es lassen sich sowohl eigene soziale Angebote von extrem rechten Akteur*innen finden als auch externe und interne Einflussnahmen auf bestehende, etablierte Angebote der Sozialen Arbeit.
Dr. Christoph Gille ist Diplom-Sozialarbeiter und Vertretungsprofessor für Theorien der Sozialen Arbeit an der Hochschule Koblenz. E-Mail: chgille @hs-koblenz.de
Professorin Dr. Birgit Jagusch ist Sozialwissenschaftlerin und lehrt Soziale Arbeit und Diversität an der Technischen Hochschule Köln. E-Mail: birgit.jagusch@th-koeln.de
Steffen Poetsch ist Student im Masterstudiengang Pädagogik und Management in der Sozialen Arbeit der TH Köln. E-Mail: steffen_norbert. poetsch@smail.th-koeln.de
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S. 146-152

Exkludierende Solidaritäten

Herausforderungen im Kontext der Wohnungslosigkeit

Katrin Haase, Halle

Schlagworte: Wohnungslosigkeit - Rechtspopulismus - soziale Ausgrenzung - Solidarität - berufliches Selbstverständnis

Zusammenfassung
Der Beitrag diskutiert sowohl die Ausgrenzung als auch die Instrumentalisierung wohnungsloser Menschen vor dem Hintergrund des erstarkenden Rechtspopulismus. In den Mittelpunkt gerückt werden dabei die exkludierenden Solidaritätsvorstellungen, die sich im Rechtspopulismus ausdrücken. Darauf aufbauend wird diskutiert, welche Alternativen Soziale Arbeit exkludierenden Solidaritäten entgegensetzen kann. Plädiert wird für ein universalistisches Solidaritätsverständnis, das sich normativ an dem Recht aller auf ein menschenwürdiges Leben orientiert.
Dr. Katrin Haase, Dipl.-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, ist wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut e.V. im Bereich Evaluation des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. E-Mail: haase@dji.de
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S. 152-154

Rundschau

S. 153

Tagungskalender

S. 155-157

Bibliografie

S. 158-160

Verlagsbesprechungen

S. 160

Impressum

Weitere Informationen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (Hrsg.)
Berlin, 2020, 40 Seiten
ISBN: 0490-1606

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