2006

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Heft 7/8

S. 243-245

Rechtliche Betreuung und Soziale Arbeit
Eine Einführung
Wolf Crefeld, Rheurdt

S. 246-253

Vom bürgerlichen Tod der Entmündigung und der Rechtsfürsorge für psychisch beeinträchtigte Menschen
Die wechselvolle Geschichte eines Rechtsinstituts
Wolf Crefeld, Rheurdt
Schlagworte: Vormundschaft - historische Entwicklung - Entmündigung - Sozialarbeit - Menschenwürde - Betreuung

Für Menschen, die wegen einer geistig-seelischen Beeinträchtigung ihre Rechte nicht selbst vertreten können, existierten schon im Altertum Institute der Rechtsfürsorge wie die Vormundschaft. Eine Maßnahme, die einer Person die Macht gibt, für einen anderen Menschen verbindlich zu handeln, weil dieser selbst es nicht kann, steht immer in Gefahr des Missbrauchs und der Instrumentalisierung für die Interessen anderer. Diese Gefahr wuchs, als die Entmündigung der Betroffenen zur Voraussetzung für die Bestellung eines Vormunds wurde. Doch in Verruf geriet das Vorgängerinstitut der heutigen rechtlichen Betreuung erst, als seine Aufgabe der Sorge für die Angelegenheiten des betroffenen Menschen in den Hintergrund rückte und die Entmündigung zu einem gesellschafts- und ordnungspolitischen Instrument umgeschmiedet wurde. Gemäß unserer heutigen Verfassung, die dem Schutz der Menschenwürde jedesMenschen höchste Priorität einräumt, hat das Betreuungsgesetz von 1990 die alte Idee der Rechtsfürsorge für behinderte Menschen wieder vom Kopf auf die Füße gestellt und zugleich den heutigen Erfordernissen entsprechend den Schwerpunkt der Sorge auf den Schutz höchst persönlicher Rechte gesetzt. Doch damit solche Gesetzesänderungen tatsächlich eine neue Praxis schaffen, darf es die Politik nicht weiter versäumen, geeignete infrastrukturelle Rahmenbedingungen für die Wirksamkeit des Betreuungsrechts zu schaffen.

Professor Dr.Wolf Crefeld ist Psychiater, Psychotherapeut und emeritierter Professor der Evangelischen Fachhochschule Bochum. Privatanschrift: Bahnstraße 124,47509 Rheurdt E-Mail: wolf.crefeld@gmx.de

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S. 254-260

Die Rolle der Betreuungsbehörden und die Perspektiven einer weiteren Entwicklung
Margrit Kania, Bremen; Reinhard Langholf, Hamburg; Heike Schmidt, Leipzig
Schlagworte: Betreuungsbehörde - Betreuer - Betreuungsrecht - Funktion - Standard - Sozialarbeiter - Rechtsreform

Der örtlichen Betreuungsbehörde sind strukturelle und einzelfallbezogene Steuerungsaufgaben zugewiesen. Sie liefert dem Gericht wichtige Entscheidungshilfen und schlägt ihm im Einzelfall geeignete Betreuer und Betreuerinnen vor. Sie gewinnt diese, unterstützt und qualifiziert sie, informiert Bürger und Bürgerinnen über Möglichkeiten der Vorsorge und fördert die Zusammenarbeit der an der Umsetzung des Betreuungsrechts beteiligten Institutionen und Personen. Diesem Aufgabenspektrum stehen unscharfe normative Grundlagen über Standards der Arbeit gegenüber.

Margrit Kania ist Sozialarbeiterin und Dipl.-Sozialpädagogin. Sie arbeitet beim Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales Bremen, Überörtliche Betreuungsbehörde, Bahnhofsplatz 29, 28195 Bremen E-Mail: margrit.kania@soziales.bremen.de

Reinhard Langholf ist Verwaltungswirt. Er arbeitet bei der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg, Hamburger Straße 47, 22083 Hamburg E-Mail: reinhard.langholf@bsg.hamburg.de

Heike Schmidt ist Dipl.-Juristin. Sie arbeitet beim Kommunalen Sozialverband Sachsen, Überbehördliche Betreuungsbehörde, Thomasiusstraße 1, 04109 Leipzig E-Mail: heike.schmidt@ksv-sachsen.de

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S. 261-267

Förderung ehrenamtlicher Betreuerinnen und Betreuer
Über die Arbeit von Betreuungsvereinen
Karl-Heinz Zander, Bonn
Schlagworte: Ehrenamt - Betreuer - Betreuungsrecht - Verein - Betreuungsbehörde - Experte - Fortbildung

In Deutschland gibt es etwa 800 000 ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer. Sie regeln die persönlichen Angelegenheiten eines Mitmenschen, die dieser wegen einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ganz oder teilweise nicht bewältigen kann. Im gesamten Land gibt es zurzeit etwa 850 Betreuungsvereine. Ihre Aufgabe ist es gemäß dem1992 in Kraft getretenen Betreuungsgesetz, sich planmäßig um die Gewinnung ehrenamtlicher Betreuer und Betreuerinnen zu bemühen und diese in ihre Aufgaben einzuführen, sie fortzubilden und zu beraten. Seit 1999 soll ein Betreuungsverein als weitere Aufgabe planmäßig über Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen informieren, seit 2004 soll er im Einzelfall auch Bürgerinnen und Bürger bei der Abfassung einer Vorsorgevollmacht beraten.

Karl-Heinz Zander ist Dipl.-Sozialarbeiter und tätig als Geschäftsführer des Vormundschaftsgerichtstags e.V., Kurt-Schumacher-Platz 9, 44787 Bochum, E-Mail: vgt-ev@vgt-ev.de

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S. 267-274

Methodische Fallarbeit in der rechtlichen Betreuung
Angela Roder, Hamburg
Schlagworte: Case Management – Betreuung – Effizienz – Qualität – Einzelfallhilfe – Vernetzung – Kooperation – Klient-Beziehung – Betreuer

Dieser Beitrag beschreibt das Konzept des Case Managements und stellt anhand konkreter Beschreibungen dessen Integration in die Arbeitsorganisation der rechtlichen Betreuung vor.

Angela Roder ist Pädagogin und arbeitet als Case Managerin in dem Unternehmen Beratung und Betreuung Roder & Förter-Vondey GmbH, Steindamm 91,20099 Hamburg E-Mail: roder@beratung-und-betreuung.de

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S. 274-282

Professionalisierung der rechtlichen Betreuung
Klaus Förter-Vondey, Hamburg
Schlagworte: Betreuungsgesetz (BtG) - Wirkung - Professionalisierung - Betreuung - Finanzierung

Die Einführung des Betreuungsgesetzes (BtG) im Jahr 1992, mit dem Ziel, zu mehr Selbstbestimmung von behinderten Menschen zu kommen, wurde gemessen an der Fallzahlentwicklung ein großer Erfolg. Die größere Zahl von Betreuungen verursacht Kosten in der Justizkasse. Die Entwicklung bewirkte aber auch eine Privatisierung und Professionalisierung. Mit dem Zweiten Betreuungsrechtsänderungsgesetz (2. BtÄndG) im Jahr 2005 sollte der Kostenentwicklung entgegengewirkt werden, ohne die weiteren Folgen zu hinterfragen. Damit hat die Ökonomisierung von sozialen Leistungen auch im Betreuungswesen Einzug gehalten. Die spürbarste Wirkung der Gesetzesänderung entfalten die pauschalierten Fallstunden. Sie wirken über eine notwendige Änderung in der Betreuungsarbeit auf die Klientel und – teilweise widersprüchlich – auf den laufenden Professionalisierungsprozess in der Berufsentwicklung. Im Folgenden soll die Gesetzesänderung im Verhältnis zum Professionalisierungsprozess des Berufs der Betreuer und Betreuerinnen untersucht werden.

Klaus Förter-Vondey arbeitet als Betriebswirt und Dipl.-Pädagoge in dem Unternehmen Beratung und Betreuung Roder & Förter-Vondey GmbH, Steindamm 91, 20099 Hamburg, E-Mail: foertervondey@ beratung-und-betreuung.de

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S. 283-289

Das neue Richterbild in Betreuungssachen
Carola von Looz, Köln
Schlagworte: Richter - Studium - Qualität - Sozialwissenschaft - Betreuungsrecht - Rechtsprechung - Empathie - Fortbildung

Richter und Richterinnen sind im Betreuungsverfahren nicht nur mit juristischen, sondern auch mit menschlichen und sozialen Problemen befasst. Die Begegnung mit Menschen in Krisensituationen fordert sie heraus. Darauf sind sie schlecht vorbereitet. Denn in der juristischen Ausbildung spielen psychologische, therapeutische und pädagogische Fragestellungen kaum eine Rolle. Das kann sich auf die Qualität der richterlichen Arbeit ungünstig auswirken. Die juristische Ausbildung sollte daher um Lehrangebote aus dem Bereich der Sozialwissenschaften ergänzt werden. Außerdem sollte das Fortbildungsangebot für Betreuungsrichterinnen und -richter erweitert und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Therapeuten, Sozialarbeitern und Pädagogen vom Dienstherrn unterstützt werden.

Carola von Looz ist Juristin und Richterin am Amtsgericht Kerpen (Rheinland). Privatanschrift: Ringstraße 55,50765 Köln E-Mail: carola.v.looz@web.de

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S. 290-297

Soziale Arbeit für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen in Österreich
Verein für Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft und Bewohnervertretung
Irene Müller; Monika Vyslouzil, Wien
Schlagworte: Betreuung - Betreuungsrecht - Verein - Österreich - Interessenvertretung - psychisch Kranker - geistig Behinderter - Funktion

Der Verein für Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft und Bewohnervertretung ist eine überparteiliche, gemeinnützige und nicht auf Gewinn gerichtete Organisation. Seine Hauptaufgabe ist es, den Gerichten Vereinssachwalter, Patientenanwälte und -anwältinnen und Bewohnervertretende namhaft zu machen und zur Verfügung zu stellen. Im Einzelfall bestellte Sachwalter oder Sachwalterinnen nehmen Aufgaben der Personen- und Vermögenssorge wahr. Die Suche nach Alternativen zu einer Sachwalterschaft soll nach der derzeit parlamentarisch behandelten Novelle des Sachwalterrechts eine neue Aufgabe für die Vereinssachwalterschaft werden. Patientenanwälte und -anwältinnen treten für die Rechte und Anliegen von psychisch Kranken ein, die in der stationären Psychiatrie zwangsweise untergebracht sind beziehungsweise gegen ihren Willen psychiatrisch behandelt werden. Bewohnervertretende schützen die Rechte von Betroffenen, die im Rahmen eines Heimaufenthalts Beschränkungen ihrer persönlichen Freiheit unterworfen sind. Der Verein tritt mit seinen Tätigkeiten und durch Öffentlichkeitsarbeit für die Interessen von psychisch kranken, geistig behinderten und alten Menschen sowie für ein flächendeckendes soziales Versorgungssystem ein.

Dr. Irene Müller ist Juristin und Leiterin der Rechtsabteilung im Verein für Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft & Bewohnervertretung, Forsthausgasse 16-20,1200 Wien, Österreich E-Mail: irene.mueller@vsp.at

Dr. Monika Vyslouzil ist Dipl.-Sozialarbeiterin und Soziologin. Sie arbeitet als Fachbereichsleiterin Sachwalterschaft im Verein für Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft & Bewohnervertretung, Forsthausgasse 16-20, 1200 Wien, Österreich E-Mail: monika.vyslouzil@vsp.at

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S. 298-307

Vom Vormundschaftsrecht zum Kindes- und Erwachsenenschutz in der Schweiz
Die Totalrevision des Vormundschaftsrechts als letzte Etappe der Familienrechtsrevision
Christoph Häfeli, Luzern
Schlagworte: Betreuungsrecht - Schweiz - Reform - Vormundschaft - Konzeption - Beistandschaft

Seit 1993 wird in der Schweiz an der Familienrechtsrevision gearbeitet. Nach einem breit angelegten Vernehmlassungsverfahren1 zu einem Vorentwurf einer Expertenkommission hat der Bundesrat Anfang Juli 2006 dem Parlament einen definitiven Gesetzentwurf mit den folgenden grundlegenden Änderungen zugeleitet: Förderung des Selbstbestimmungsrechts durch Vorsorgeaufträge; die „behördliche Einheitsmaßnahme“ Beistandschaft, mit der im Einzelfall ein maßgeschneidertes Maßnahmenpaket mit fein abgestimmten Eingriffen in die Rechtsstellung und Handlungsfähigkeit geschnürt werden kann; Maßnahmen von Gesetzes wegen für dauernd urteilsunfähige Personen; die Regelung der Zwangsbehandlung in stationären Einrichtungen; eine Professionalisierung der Behördenorganisation und bundesrechtliche Minimalvorschriften für das im Übrigen kantonal geregelte Verfahren. Die parlamentarische Beratung und die Anpassung der kantonalen Rechtsgrundlagen werden noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, sodass das neue Kindesund Erwachsenenschutzrecht nicht vor dem 2010 in Kraft treten dürfte.

Professor Christoph Häfeli ist Dipl.-Sozialarbeiter/ Supervisor und Jurist. Er hat eine Professur für Familienrecht an der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern der Fachhochschule Zentralschweiz,Werftstraße 1, 6002 Luzern, Schweiz E-Mail: chaefeli@hsa.fhz.ch

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