Seit dem 6. Mai 2025 ist Christiane Schenderlein Deutschlands erste Staatsministerin für Sport und Ehrenamt. Wir haben sie zu geplanten Maßnahmen und der Bedeutung ehrenamtlichen Engagements befragt.
Mit welchen Maßnahmen wollen Sie in Ihrer Amtszeit Sport und hier vor allem das Ehrenamt stärken und entwickeln?
Im Sport haben wir uns eine erfolgreiche deutsche Bewerbung um die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen vorgenommen. Wir wollen die Spitzensportförderung insgesamt reformieren und auch Geld in die Sanierung der Sportinfrastruktur stecken. Im Bereich des Ehrenamts sind wir bereits mit dem „Zukunftspakt Ehrenamt“ gestartet. Mit dem Steueränderungsgesetz 2025 haben wir erste wichtige Schritte auf den Weg gebracht. Es ist der Auftakt zur Umsetzung des Zukunftspaktes zur Stärkung des freiwilligen Engagements in Deutschland und enthält zahlreiche Vorhaben, die bürokratische Hürden absenken, finanzielle Verbesserungen bringen und allgemein die Anerkennung und Wertschätzung für Engagement steigern.

Ehrenamtliche und hauptberuflich Tätige arbeiten oft zusammen. Sehen Sie hier eher Spannungspotenzial oder produktives Zusammenwirken?
Ich sehe hier eher ein produktives Zusammenwirken, in dem sich Haupt- und Ehrenamt sinnvoll ergänzen und gemeinsam erfolgreich und nachhaltig wirken. Das Hauptamt unterstützt fachlich wie organisatorisch mit Beratung, Strukturierung der Aktivitäten und der Übernahme rechtlicher Verantwortung. Ehrenamtliche bringen persönliche Zuwendung und alltägliche Praxis ein. Eine Abgrenzung ist im Regelfall nicht notwendig.
Das ehrenamtliche Engagement ist in der Bevölkerung hoch anerkannt, steht aber auch vereinzelt unter Druck. Wie schätzen Sie die Lage des Ehrenamts in Deutschland ein?
Wenn wir betrachten, wie rasant sich die Gesellschaft wandelt, ist die Lage des Ehrenamtes sehr stabil. Die Anzahl freiwillig Engagierter bewegt sich beständig auf hohem Niveau. Ich erlebe ein durch und durch resilientes Engagement, das zum Beispiel die Corona-Pandemie weitgehend unbeschadet überstanden und sich bei Naturkatastrophen überragend schnell handlungsfähig gezeigt hat. Ich bin überzeugt davon, dass das freiwillige Engagement auch Generationenbrüche bewältigen und den eigenen Wandel erfolgreich voranbringen wird. Gleichzeitig bleibt es Herausforderung, weitere Zielgruppen für ein Engagement besser zu erreichen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Ehrenamt weiter zu verbessern und den Zugang zum freiwilligen Engagement unabhängiger von den Bildungsvoraussetzungen zu machen.
Was muss passieren, um die Spendenbereitschaft unter sich rasant verändernden Rahmenbedingungen zu erhalten und positiv zu entwickeln?
Gerade in Zeiten multipler Krisen benötigen wir eher mehr freiwilliges Engagement. Dieses Engagement ist auf Spenden angewiesen. Die Spendenberatung des DZI ist ein gutes Beispiel, wie Menschen unabhängig Orientierung beim Spenden erhalten und Vertrauen gewinnen können. Zugleich ist ein transparentes Agieren von Vereinen und Initiativen für das Vertrauen in die richtige Verwendung der Spendenmittel unverzichtbar. Vertrauen ist der Schlüssel.
Fotos: Steffen Kugler; iStock
Das Interview erschien im Spendenmagazin 2025.
