Soziale Arbeit Doppelheft 5/6.2019

Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete


S. 162-163

Editorial

S. 163-171

Ordnungshüter mit und ohne Uniform?

Was polizeiliche und Soziale Arbeit verbindet und trennt

Kurt Möller, Esslingen

Schlagworte: Soziale Arbeit - Polizei - Kooperation - Professionalisierung - Prävention

Zusammenfassung
Zwischen polizeilicher und professioneller Sozialer Arbeit gibt es auf den ersten Blick augenscheinliche Gemeinsamkeiten oder zumindest Ähnlichkeiten und Überschneidungen. Gleichwohl sind die jeweiligen Ausgangslagen von polizeilicher und Sozialer Arbeit deutlich unterschiedlich. Solcher Kongruenzflächen und Differenzen gilt es sich zu vergewissern, wenn nach den Möglichkeiten und den Voraussetzungen für Kooperation gefragt wird.
Professor Dr. Kurt Möller, Dipl.-Pädagoge, lehrt Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der Hochschule Esslingen. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Extremismus, Pauschalisierende Ablehnungskonstruktionen und Gewalt. E-Mail: kurt.moeller@hsesslingen.de
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S. 165

DZI Kolumne

Staatsmacht
Das am 15. April ausgebrochene Feuer in der Kathedrale Notre-Dame de Paris war noch gar nicht gelöscht, da lagen für den Wiederaufbau schon Spendenzusagen, zunächst vor allem von „superreichen“ Familien, in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro vor. Inzwischen dürfte die Milliardengrenze überschritten sein; ganz genau lässt sich das noch nicht feststellen, weil nach der Spendenzusage die eigentliche Überweisung häufig einige Zeit in Anspruch nimmt – wer hat schon 100 Mio. Euro abrufbereit auf dem Girokonto liegen …

Nach dem Brand entflammte die Diskussion darüber, ob der Spendensegen statt in den Wiederaufbau der Kathedrale nicht besser in die Unterstützung bedürftiger Menschen fließen sollte. Dieser Streit ist einerseits müßig, denn Spenden sind eben das „Spielbein“ des privaten gesellschaftlichen Engagements – im Unterschied zum „Standbein“ der steuerfinanzierten staatlichen Leistungen. Eine Rangliste der unterschiedlichen gemeinnützigen Zwecke kann deshalb allenfalls jeder oder jede Spendende für sich festlegen.

Andererseits ist es legitim, öffentlich zu debattieren, ob sehr wohlhabende Unternehmerfamilien ihren Namen mit dem Prestige eines „Retters von Notre-Dame“ veredeln dürfen, ohne ebenso transparent zu machen, wie sie sich ansonsten für das Gemeinwohl einsetzen – oder eben nicht.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete Anfang April über Studienergebnisse, nach denen Menschen umso eher spenden, je besser sie in der Lage sind, das Für und Wider einer Hilfeleistung kognitiv zu erfassen. In diesem Sinne, sorgfältig überlegt, könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass Spenden für den Wiederaufbau von Notre-Dame gar nicht erforderlich sind – und das Geld stattdessen tatsächlich sozialen Zwecken zukommen lassen. Schließlich hat Präsident Emmanuel Macron mit seiner Zusage für den Wiederaufbau im Grunde einen Blankoscheck zu Lasten des Staatshaushalts dafür abgegeben: Denn Notre-Dame de Paris gehört dem Staat, seit dem 1905 in Kraft getretenen Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche, und damit obliegt auch die Instandhaltungspflicht dem französischen Fiskus.

Burkhard Wilke
wilke@dzi.de

S. 171-179

Praktische Überlegungen zur Kooperation von Sozialer Arbeit und Polizei

Konstanze Fritsch, Berlin

Schlagworte: Sozialarbeit - Polizei - Praxis - berufliches Selbstverstandnis - Kooperation

Zusammenfassung
Sowohl die Soziale Arbeit als auch die Arbeit der Polizei unterliegen einem Wandel. Während sich Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter immer mehr als Kontrolleure verstehen, leisten Polizistinnen und Polizisten verstärkt Beziehungsarbeit. In diesem Beitrag werden die Bedingungen von Kooperationen zwischen Fachkräften der Sozialen Arbeit und der Polizei reflektiert. Danach werden einige Beispiele von Zusammenarbeit kritisch beleuchtet.
Konstanze Fritsch, Dipl.-Pädagogin und Dipl.-Kriminologin, ist Mediatorin, Gruppentrainerin, Fachkraft für Kriminalprävention, Beraterin für Change Management und Organisationsentwicklung. Sie leitet den Geschäftsbereich „Lebenslagen, Vielfalt & Stadtentwicklung“ der Stiftung SPI Walter May und ist Lehrbeauftragte an der Evangelischen Hochschule Berlin. E-Mail: fritsch@stiftung-spi.de
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S. 180-185

Die Zusammenarbeit von Sozialer Arbeit und Polizei

Das Beispiel des Berliner Büros für Diversionsberatung und -vermittlung der Stiftung SPI

Katarina Pohle, Berlin

Schlagworte: Jugendlicher - Straftäter - Diversion - Täter-Opfer-Ausgleich - Beratungsstelle - Berlin

Zusammenfassung
Im Berliner Büro für Diversionsberatung und -vermittlung werden Jugendliche und Heranwachsende beraten, die eine Straftat begangen haben. Die dort tätigen Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen haben ihre Büros in den Polizeidienststellen. Die unterschiedlichen Erwartungen von Polizeibediensteten und Sozialarbeitenden, welche Reaktionen auf delinquentes Verhalten angemessen sind, die unterschiedlichen Ziele und Aufgaben der jeweiligen Berufsgruppe und die gesetzlichen berufsspezifischen Rahmenbedingungen beeinflussen die Zusammenarbeit der Professionen.
Katarina Pohle, Dipl.-Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin (FH), LL.M. Kriminologie, ist Projektleiterin im Geschäftsbereich Lebenslagen, Vielfalt & Stadtentwicklung, Berliner Büro für Diversionsberatung und -vermittlung des Sozialpädagogischen Instituts Berlin „Walter May“, Stiftung SPI. E-Mail: pohle@stiftung-spi.de
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S. 185-195

Alles außer langweilig: Wie Linssen Law Learning Studierende für Strafrecht begeistern will

Ein Erfahrungsbericht

Ruth Linssen, Münster

Schlagworte: Strafrecht - Soziale Arbeit - Studium - Hochschule - Didaktik

Zusammenfassung
Für eine gelingende Zusammenarbeit von Polizei und Sozialer Arbeit sind fundierte Rechtskenntnisse auf beiden Seiten essenziell. Dies gilt vor allem für das Strafrecht. Gleichzeitig weisen Studierende der Sozialen Arbeit wenig Affinität zu solchen Themen auf. Hier wird dargestellt, wie Strafrecht mit innovativen didaktischen Ansätzen an der Fachhochschule Münster vermittelt wird und wie erste Erfahrungen mit dem Konzept von Linssen Law Learning aussehen.
Prof. Dr. Ruth Linssen, M.A., ist Professorin für Soziologie und Recht am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Münster. Ihre Schwerpunkte sind Kriminologie und Kriminalprävention. E-Mail: linssen@fh-muenster.de
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S. 192-198

Gemeinsames Lernen für die Soziale Arbeit und die Polizei

Konstanze Fritsch, Berlin

Schlagworte: Polizei - Soziale Arbeit - Hochschule - Ausbildung - Kooperation

Zusammenfassung
Polizei und Sozialarbeit sind Berufsgruppen mit zum Teil konträren rechtlichen Voraussetzungen, deren Aufgaben sich aber an einigen Punkten überschneiden. In Fällen der Überschneidung behindern oft gegenseitige Unkenntnis und Vorbehalte die Arbeit der Beteiligten. Der Beitrag beschreibt ein Beispiel aus der Hochschullehre, mit dem künftige Kooperationen beider Professionen bereits in der Berufsausbildung vorbereitet werden. Er soll dazu anregen, Studierende beider Fachrichtungen zusammenzubringen, und gibt praktische Tipps zur Seminargestaltung.
Konstanze Fritsch, Dipl.-Pädagogin und Dipl.- Kriminologin, ist Mediatorin, Gruppentrainerin, Fachkraft für Kriminalprävention, Beraterin für Change Management und Organisationsentwicklung. Sie leitet den Geschäftsbereich „Lebenslagen, Vielfalt & Stadtentwicklung“ der Stiftung SPI Walter May und ist Lehrbeauftragte an der Evangelischen Hochschule Berlin. E-Mail: fritsch@stiftung-spi.de
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S. 198-208

Sozialdatenschutz in der Kooperation von Justiz, Polizei und Jugendhilfe

Klaus Riekenbrauk, Düsseldorf

Schlagworte: Jugendgerichtshilfe - Jugendhilfe - Strafverfahren - Datenschutz - Rechtsverordnung

Zusammenfassung
In der Praxis der Jugendhilfe im Strafverfahren (JuHiS/JGH) ist der Datenschutz nicht immer ausreichend bekannt. Gerade bei der Kooperation mit Polizei und Justiz sind datenschutzrechtliche Kompetenz und Sicherheit besonders gefragt. Der Beitrag erläutert die bedeutsamen Grundzüge des allgemeinen und bereichsspezifischen Sozialdatenschutzes und wirft einen Blick auf die neuen Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung der EU sowie des damit einhergehenden novellierten Sozialdatenschutzrechts.
Professor em. Dr. Klaus Riekenbrauk ist Rechtsanwalt und war Hochschullehrer an der Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften. Er ist Vorsitzender der Brücke Köln e.V. E-Mail: klaus.riekenbrauk@hs-duesseldorf.de
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S. 208-215

Nicht ignorieren, nicht verbünden

Katharina Röggla, Wien

Schlagworte: Jugendarbeit - Polizei - Delinquenz - Konflikt - Österreich

Zusammenfassung
Die offene Kinder- und Jugendarbeit und die Polizei stehen in einem Spannungsfeld. Sie arbeiten oft mit den gleichen Zielgruppen, verfolgen aber nicht dieselben Ziele. Deshalb muss eine praktikable Kommunikation in der täglichen Arbeit zwischen beiden entwickelt werden. Der Beitrag beschreibt die Situation der OKJA und des Community Policing in Wien anhand einiger Initiativen und Projektbeispiele.
Mag.a Katharina Röggla M.A. (FH) ist Kulturwissenschaftlerin, Mediatorin und Sozialarbeiterin. Sie ist in der offenen Jugendarbeit tätig und arbeitet beim Verein JUVIVO als pädagogische Leiterin. Außerdem unterrichtet sie als Lektorin an der FH Campus Wien. E-Mail: katharina.roeggla@juvivo.at
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S. 216-222

Realitätsflash: Drogenpolitik als Lernfeld für Polizei und Sozialarbeit

Michael Herzig, Zürich

Schlagworte: Polizei - Soziale Arbeit - Schweiz - Drogenabhängiger - Prävention

Zusammenfassung
Der Autor blickt auf seine 16-jährige Tätigkeit in der Sucht- und Drogenhilfe der Stadt Zürich zurück. Er beschreibt Herausforderungen, Probleme und Erfolge in der Zusammenarbeit mit der Polizei. Sein Fazit: Polizei und Soziale Arbeit waren in der Schweiz fähig, soziale und rechtliche Fragestellungen gemeinsam zu lösen, sozialstrukturelle Probleme aufzuzeigen und auch unorthodoxe Lösungen im kommunalpolitischen Kontext durchzusetzen. Einen grundsätzlichen drogenpolitischen Wandel vermochte das Bündnis von Polizei und Sozialer Arbeit aber nicht einzuleiten.
Michael Herzig, Lic.phil. I/EMBA HSG, war Ende der 1990er-Jahre Drogenbeauftragter der Stadt Zürich. Später leitete er soziale und medizinische Dienste für Alkohol- und Drogenabhängige, Langzeitarbeitslose, psychisch Kranke und Sexarbeiterinnen. Seit 2015 ist er freiberuflicher Autor und Dozent für Sozialmanagement an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW. E-Mail: michael.herzig@zhaw.ch
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S. 222-229

Scotland’s Child Welfare and Protection System

Raymond Taylor, Glasgow

Schlagworte: Soziale Arbeit - Polizei - Kooperation - Kinderschutz - Großbritannien

Zusammenfassung
Der Artikel gibt Überblick über die wesentlichen demografischen Entwicklungen in Schottland und fasst die Arbeitsweise des nationalen Kinder- und Jugendschutzes zusammen. Hierbei werden vier miteinander verbundene Aspekte der schottischen Sozialpolitik beleuchtet: Dies ist zum einen das Anhörungssystem für Kinder, zum zweiten die Aktion “Getting it Right for Every Child” sowie drittens der ganzheitliche systemische Ansatz der Jugendgerichtsbarkeit. Abschließend wird der schottische Kinderschutz unter dem Gesichtspunkt der Erfordernisse für eine effektive Zusammenarbeit zwischen Sozialer Arbeit und Polizei untersucht.
Raymond Taylor is a registered social worker and Health and Social Work Manager with one of Scotland‘s newly formed Health and Social Care Partnerships and Honorary Senior Research Fellow at the University of Strathclyde‘s School of Social Work and Social Policy. He serves on the editorial board of the Scottish Journal of Residential Child Care and is a consultant with Cornell University’s Bronfenbrenner Centre for Translational Research. E-Mail: raymond.taylor@strath.ac.uk
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S. 229-233

Rundschau

S. 231

Tagungskalender

S. 234-237

Bibliographie

S. 238-240

Verlagsbesprechungen

S. 240

Impressum

Weitere Informationen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (Hrsg.)
Berlin, 2019, 80 Seiten
ISSN: 0490-1606

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