Soziale Arbeit 1.2020

Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete


Editorial

S. 2-9

Der Familienrat als Netzwerkpotenzial im Sozialraum

Das Saarbrücker Modell

Christina Cazzini, Saarbrücken

Schlagworte: Familienarbeit - Verfahren - Jugendamt - soziales Netzwerk - Evaluation - Family Group Conference

Zusammenfassung
Das Verfahren Familienrat wurde als Pilotprojekt im Regionalverband Saarbrücken eingeführt und nach Ablauf der Pilotzeit erfolgreich verstetigt. Durch einen spezialisierten Dienst mit flexiblen Arbeitszeiten ist eine große Anpassung an die Situationen von Familien möglich. Die Räte finden dann statt, wenn die betroffenen Familien Zeit haben, also weitestgehend abends und an Wochenenden. Familien zu ermächtigen und nicht zu entmachten, lautet das zentrale Ziel eines Familienrates.
Christina Cazzini, M.A. Soziale Arbeit (Sozialraumentwicklung und -organisation), Dipl.-Sozialarbeiterin/ Sozialpädagogin, ausgebildete Koordinatorin Familienrat, ist Fachcontrollerin im Jugendamt des Regionalverbandes Saarbrücken sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Sozialwesen an der Hochschule Fulda. E-Mail: christina.cazzini@rvsbr.de
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S. 3

DZI Kolumne

Flüchtlingskinder
Grünen-Chef Robert Habeck hat kurz vor Weihnachten die innenpolitische Debatte noch einmal kräftig auf Touren gebracht – zu einem Zeitpunkt, an dem der Großteil der Politiker*innen und wir als Bürger*innen schon ganz auf ein paar ruhige Festtage eingestellt waren. Habeck verwies am 21. Dezember in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) auf die seit Monaten eskalierende humanitäre Notlage in Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln nahe der Türkei. Für die dort untergebrachten 40.000 Menschen – im Mai 2019 waren es nach Medienberichten gerade einmal 14.000 – habe Griechenland Europa ausdrücklich um Hilfe gebeten. „Ja. Holt als Erstes die Kinder raus. Auf den Inseln drängen sich rund 4.000 Kinder. Viele Mädchen, viele zerbrechliche kleine Menschen“, fordert Habeck in der FAS.

Von der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland und von Wohlfahrtsverbänden kam schnell ein positives Echo. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bringt die ethische und religiöse Herausforderung zum Weihnachtsfest auf den Punkt: Auch Maria, Josef und Jesus seien vor 2.000 Jahren eine Flüchtlingsfamilie gewesen.

Rational betrachtet gibt es Gründe, die sowohl für als auch gegen eine humanitäre Entscheidung in der aktuellen Flüchtlingsfrage sprechen. Viele sind etwa in dem Kommentar von Caterina Lobenstein in der ZEIT vom 26. Dezember ausgeführt. Und wer es sich zumuten will: Der Blick in die weit über 1.000 Online-Kommentare auf den Beitrag von Lobenstein offenbart eine regelrechte Kakophonie vielfach irrationaler Reaktionen auf den Appell Robert Habecks.

Urteilt man nicht nur rational, sondern auch mit dem Herzen – und was sollte daran schlecht sein, so kann man sich der Bitte der griechischen Regierung und der Not der Geflüchteten auf den Inseln nicht verschließen. Handeln ist dringend geboten!

Herausforderungen wie diese werden uns auch 2020 begleiten. Um sie zu bestehen, müssen wir sie sorgfältig bedenken, offen debattieren, öffentlich unseren Standpunkt vertreten und beherzt handeln.

Burkhard Wilke
wilke@dzi.de

S. 9-15

Zwischen Expertentum und Verantwortungsbeziehung

Eine postkoloniale Kritik Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession

Emanuel John, Mülheim an der Ruhr

Schlagworte: Soziale Arbeit - Menschenrechte - Ethik - Klient-Beziehung - Kritik

Zusammenfassung
Spivaks postkoloniale Kritik der Menschenrechte zeigt, dass Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession Unterdrückung ausüben kann, wenn sie von einem adressat*innenunabhängigen Standpunkt ausgeht. Der Autor argumentiert, dass Soziale Arbeit auch als subjektiv-ethische Verantwortungsbeziehung zu begreifen ist. Damit ist der objektive Anspruch der Menschenrechte nicht aufzugeben, sondern in Gegenrechten zu fassen, die die Bedürfnisse hilfebedürftiger Personen politisieren.
Dr. Emanuel John lehrt Ethik und interkulturelle Kompetenz an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen. E-Mail: emanuel.john@hspv.nrw.de
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S. 16-22

Wann ist KI ok?

Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Sozialen Arbeit aus ethischer Perspektive

Björn Görder, Ludwigsburg

Schlagworte: Informationstechnologie - Soziale Arbeit - Ethik - Wirkung - künstliche Intelligenz

Zusammenfassung
„Künstliche Intelligenz“ eröffnet in allen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit neue Möglichkeiten und wird zunehmend eingesetzt (werden). Der Artikel diskutiert damit einhergehende ethische Fragen anhand der Prinzipien Schaden vermeiden, Explizierbarkeit, menschliche Autonomie und Gerechtigkeit. Darauf aufbauend werden Fragen identifiziert, die Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit beim verantwortungsvollen Design und Einsatz „künstlicher Intelligenz“ berücksichtigen sollten.
Professor Dr. Björn Görder lehrt an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg Diakoniemanagement und diakonisches Leitungshandeln. E-Mail: b.goerder@eh-ludwigsburg.de
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S. 22-29

Themenzentrierte Interaktion und Positive Psychologie im Dialog

Eine Perspektivenerweiterung

Margit Ostertag; Dennis John, Nürnberg

Schlagworte: themenzentrierte Interaktion - Psychologie - Theorie - Konzeption - Vergleich - Positive Psychologie

Zusammenfassung
Trotz ihrer gemeinsamen Wurzeln in der Humanistischen Psychologie haben Themenzentrierte Interaktion (TZI) und Positive Psychologie in Theorie und Praxis aktuell wenige bis keine Berührungspunkte. Die TZI hat sich stark in pädagogische Kontexte hinein entwickelt, während die Positive Psychologie deutlich wissenschaftlich-empirisch orientiert ist und forscht. Mögliche Verbindungslinien aufzugreifen und weiterzuentwickeln, eröffnet für beide Seiten eine Erweiterung der Perspektiven. So kann die TZI in Verbindung mit der Positiven Psychologie ihr breites Handlungsrepertoire um empirisch beforschte Interventionen ergänzen, während die Positive Psychologie ihren auf das Erleben und Verhalten des einzelnen Individuums konzentrierten Blick um ethische und politischgesellschaftliche Aspekte erweitern kann. Erste Denkansätze dazu werden hier entwickelt.
Professorin Dr. Margit Ostertag ist Diplom-Pädagogin (Univ.), Supervisorin und Coachin (DGSv), TZI-Lehrbeauftragte (RCI) und lehrt Soziale Arbeit und Bildungswissenschaften an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. E-Mail: margit.ostertag@evhn.de
Professor Dr. Dennis John ist Diplom-Psychologe (Univ.), Trainer für Positive Psychologie (DACH-PP) und lehrt Psychologie an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. E-Mail: dennis.john@evhn.de
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S. 29-33

Rundschau

S. 33

Tagungskalender

S. 34-37

Bibliografie

S. 38-40

Verlagsbesprechungen

S. 40

Impressum

Weitere Informationen

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (Hrsg.)
Berlin, 2020, 40 Seiten
ISSN: 0490-1606

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