Hilfe für Gaza und Nahost

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und ein Massaker mit mehr als tausend Toten anrichtete, führte dies zu einer entsetzlichen Eskalation des Jahrzehnte andauernden Konflikts zwischen Palästinensern und Israel. Im umkämpften Gazastreifen starben Zehntausende. Die Überlebenden sind in großer Not oder mussten außer Landes fliehen.

Die Freude war groß, als als Mitte Oktober 2025 die Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel angekündigt wurde. Nicht nur, dass endlich die noch lebenden israelischen Geiseln nach Hause konnten und auch eine Übergabe der Leichen begonnen wurde, die noch immer in der Hand der Terroristen waren. Auch für die Menschen im Gazastreifen gibt es erste Lichtblicke. Doch die aktuelle Situation ist verheerend. Laut der UN wurden 90 Prozent aller Gebäude in dem Gebiet zerstört, ein Großteil der Bevölkerung ist von einer Hungersnot bedroht. Hinzu kommen die zahlreichen Schwerverletzten: Laut WHO warten derzeit rund 15.600 Menschen im Gazastreifen auf eine medizinische Evakuierung, da sie nicht mehr vor Ort behandelt werden können.

„Wir sehen viele Menschen mit großen offenen Wunden, Verbrennungen oder externen Fixatoren, die in Zelten ohne angemessene Hygiene, Abfallentsorgung oder Klimatisierung leben“, sagt Adi Nadimpalli, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Infektionen, die normalerweise vermeidbar wären, sind jetzt weitverbreitet.“ Die Organisation ist seit 1989 in den palästinensischen Gebieten aktiv und hat seit Kriegsbeginn mehr als 390.000 Notfälle im Gazastreifen behandelt. Mehr als 1.200 Mitarbeitende sind allein in Gaza im Einsatz – hinzu kommen über 170 im Westjordanland – und versorgen in den Regionen die Kranken und Verletzten.

Kinder besonders bedroht
Aber selbst wer den Krieg bislang unverletzt überstanden hat, ist noch nicht außer Gefahr. Zum einen ist die Waffenruhe brüchig, immer wieder wird gegen sie verstoßen. Vor allem aber die katastrophalen Lebensbedingungen und der Mangel an Nahrungsmitteln machen den Menschen zu schaffen. Darunter leiden besonders die Schwächsten: die Kinder. Die Organisation Save the Children will gerade ihnen helfen. Seit 1953 ist das Hilfswerk in den palästinensischen Gebieten – Westjordanland, Ost-Jerusalem und Gazastreifen – aktiv. Auch während des Krieges setzte sie sich trotz der massiven Einschränkungen für Familien und Kinder in Gaza ein. Aktuell betreibt sie Gesundheitszentren in Deir Al-Balah und Chan Junis. In speziellen Mutter-Kind-Bereichen werden Kinder mit Mangelernährung behandelt und Ernährungsberatungen für Eltern angeboten.

Save the Children versorgt Kinder im Gazastreifen, gerade auch im Hinblick auf dringend benötigte Nahrung.

Doch auch abseits der dringend benötigten Nahrungsmittel trägt Save the Children zur Versorgung der Kinder bei. Gemeinsam mit Partnern verteilt die Organisation etwa Hygieneprodukte, Matratzen, Decken sowie Lernmaterialien und Spielzeug. Im gesamten Gazastreifen versorgt sie Menschen mit sauberem Trinkwasser, baut Latrinen in Notunterkünften, stellt das Personal für die Reinigung der Notunterkünfte und bieten Gesundheits- und Hygieneschulungen an. Hinzu kommt dringend benötigte psychologische Hilfe und psychosoziale Unterstützung für Kinder und ihre Familien. Zudem bietet sie Schutz- und Spielräume sowie temporäre Lernorte an.

Aktuelle Projekte im In- und Ausland
Auch medico international ist im Gazastreifen tätig. Dabei hat die Organisation wie viele andere noch immer mit Einschränkungen zu kämpfen. So erlaubt Israel nur wenigen, selbst Hilfsmittel in das Gebiet zu bringen. Von diesen Einschränkungen sind besonders Organisationen betroffen, die kein eigenes Personal in Gaza haben, sondern mit lokalen Partnern zusammenarbeiten – wie es heute für viele üblich ist. Aber es gibt auch über die eigentlichen Hilfslieferungen hinaus Möglichkeiten, die Menschen vor Ort zu unterstützen. Beispielsweise werden zusammen mit der Partnerorganisation Mayasem Ersatzschulen betrieben, in denen über 3.000 Schüler und Schülerinnen unterrichtet werden. „Alle Schulen in Gaza sind seit Oktober 2023 geschlossen. Rund 80 Prozent aller Schulen sind zerstört oder so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr nutzbar sind“, beschreibt Riad Othman, Nahostreferent & Ukraine bei medico international die aktuelle Situation. „Wir wollen den Kindern wieder einen Teil der Normalität zurückgeben und damit eine Perspektive.“ Andere aktuelle Projekte betreffen etwa Kunsttherapie für Kinder und Jugendliche oder die Errichtung von Latrinen – ein wichtiger Punkt angesichts der aktuellen Lebensbedingungen.

Selbstversorgung und Verdienstmöglichkeit: Mit Dachgärten unterstützt medico international Frauen im Flüchtlingscamp im Libanon.

Die Organisation ist aber auch im Ausland tätig, in das schon früher immer wieder Teile der palästinensischen Bevölkerung geflohen sind. Gerade im Libanon gibt es Flüchtlingscamps, in denen ausschließlich Palästinenser und Palästinenserinnen leben. Das größte hiervon ist Ain al-Hilweh, welches bereits 1948 vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in der Nähe der Stadt Sidon eingerichtet wurde. Damals sollten dort 15.000 Menschen untergebracht werden. Inzwischen leben in dem Camp Schätzungen zufolge 120.000 Kinder, Frauen und Männer. Da diese ein weitreichendes Berufsverbot haben, fehlt eine wirtschaftliche Perspektive. Deren gesellschaftliche Teilhabe ist in Libanon nicht erwünscht. Ein Projekt von medico international besteht darin, speziell Frauen in der patriarchal dominierten Gesellschaft in dem Camp durch Dachgärten zu stärken. Durch das angebaute Gemüse können die Familien sich selbst versorgen und Geld sparen. Ist der Ertrag groß genug, können sie diesen sogar verkaufen und somit etwas dazuverdienen. Aber auch Kinder werden in dem Camp bedacht. So wird ihnen beispielsweise die palästinensische Kultur und Herkunft vermittelt, damit sie trotz der ungewissen Zukunft nicht vergessen, woher sie kommen und wer sie sind.

Oliver Armknecht

Fotos: Sacha Myers/Save the Children, Jacob Russells/medico international
Der Artikel erschien im Spendenmagazin 2025.

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